Heinrich Steinfest

Das grüne Rollo

Roman
Cover: Das grüne Rollo
Piper Verlag, München 2015
ISBN 9783492056618
Gebunden, 256 Seiten, 19,99 EUR

Klappentext

Theo ist gerade aufs Gymnasium gekommen, als es eines Nachts, um 23:02, mit einem Ratsch plötzlich da ist. Vor seinem Fenster bläht sich im Mondlicht ein grünes Rollo. Tagsüber verschwindet es, aber von nun an entrollt es sich jede Nacht um exakt dieselbe Zeit. Das ist unheimlich genug, und nicht nur, weil es in Theos Zuhause noch nie Rollos oder auch nur Vorhänge gab. Viel unheimlicher ist aber, dass es, wenn man genau hinschaut, Augen zu haben scheint ... Nein, keine Augen, Ferngläser. Aus dem Rollo blicken kleine Männer durch Feldstecher streng zu Theo herüber. Theo ist sich sicher, dass dort, auf der anderen Seite des Rollos, eine eigene Welt existiert. Eine grünliche Welt. Nach schlaflosen Nächten fasst er sich ein Herz und beschließt, in jene andere Sphäre hinüberzusteigen ... Vierzig Jahre später hat Theo das alles als eine Kindheitsfantasterei abgetan. Bis es plötzlich wieder da ist - das grüne Rollo.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 27.07.2015

Ulrich Baron ist bemüht, Heinrich Steinfests Roman als vielschichtige Zeitreise zu lesen und als Variation auf Ambrose Bierce' Erzählung "Ein Zwischenfall auf der Eulenfluss-Brücke". Die vom Autor als Wettstreit zwischen Einbildung und Wirklichkeit entworfenen beiden Versionen einer Vita klopft der Rezensent auf ihren Aufbau hin ab und stellt trotz anfänglichen Unbehagens beim Lesen fest: Das ist subtil, und die Verquickung einer spannenden Abenteuergeschichte mit alten Sci-Fi-Motiven und einer eher banalen Schlusspointe macht Sinn, wenn man wie Steinfest von der Unmöglichkeit, erwachsen zu werden, erzählen möchte.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.07.2015

Marin Halter mag Heinrich Steinfest am liebsten, wenn der Wunderkindereien von sich gibt, etwa von der Art wie die vom grünen Rollo, das Halter als Metapher fürs kindliche Fabulieren nimmt. Da können pubertierende Messer zu Lebensrettern werden und der Autor darf sich dolle Zukunftsvisionen und irre Abschweifungen leisten noch und noch. Für Halter ist die Mischung aus Kafka und "Baumeister Bob" genau das Richtige. Nur wenn Steinfest am Ende den eigenen Fantasien misstraut und all den schönen Irrsinn schließlich "pseudorational" erklärt wie in diesem Buch, fühlt sich Halter vom Autor geohrfeigt.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 11.04.2015

Rezensent Paul Jandl bleibt freundlich, auch wenn ihm Heinrich Steinfest mit seinem neuen Roman ganz schön zusetzt. Zwar kennt Jandl den Autor als Magier und weiß, dass es bei ihm keine Plausibilitätsgarantie gibt, aber in diesem Buch scheint ihm die Fabulier- und Pointenseligkeit mit dem Autor durchzugehen. Als Fantasy mag Jandl den Text kaum noch einordnen, derart abgedreht geht die Handlung mit grünen Rollos als Eingang in Anderswelten, mit wundertätiger Mayonnaise und menschlichen Messern. Gerade meint Jandl sich einzufühlen in diese Kinderfantasie, da setzt der Autor noch einen drauf und beamt seine Geschichte samt Personal ins Jahr 2046. Das ist dem Rezensenten dann doch zu viel für ein einziges Buch, auch wenn das Ende überraschend nüchtern daherkommt, wie Jandl verrät.
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