Es gibt bequemere Nationalgeschichten als die deutsche. Aber nicht nur die großen Katastrophen des 20. Jahrhunderts wirken bis in die aktuellen Debatten nach und prägen deutsche Politik und deutsches Selbstverständnis. Auch ältere historische Ereignisse wie die Reichsgeschichte, die Reformation oder der Konflikt zwischen Einheit und Freiheit im 19. Jahrhundert haben Deutschland tief geprägt. Es bedarf eines großen Historikers, um die Tiefenschärfe all dieser Entwicklungen konzise zu beschreiben und zugleich in greifbare politische Lektionen für die Gegenwart zu übersetzen. Heinrich August Winkler hat mit "Wie wir wurden, was wir sind" die Deutsche Geschichte für aufgeklärte Bürgerinnen und Bürger geschrieben.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 25.02.2021
Rezensent Cord Aschenbrecher empfiehlt Heinrich August Winklers überraschend schmale Geschichte der Deutschen vor allem LeserInnen mit "Anspruch" und Vorwissen. Denn auf nur 230 reinen Textseiten hüpft der Historiker von der Reformation über Friedrich II., das Scheitern der ersten deutschen Demokratie nach 1918 und die deutsche Einheit bis in die Gegenwart, resümiert der Kritiker. Dass Sozial-, Wirtschafts- und Regionalgeschichte oder die Globalisierung nicht berücksichtigt werden, kann Aschenbrenner verschmerzen: Kenntnisreich und flüssig nehme Winkler die politische Geschichte Deutschlands insbesondere mit Blick auf den "spezifisch preußischen Staatspatriotismus" und das deutsche Verhältnis zu Europa unter die Lupe. Dass die DDR recht kurz und wenig kritisch davonkommt, findet der Rezensent zwar bedauerlich. Als "Meisterkurs", wie der Verlag das Buch preist, eignet es sich aber durchaus, meint er.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 07.09.2020
Rezensent Robert Probst bedauert, dass Heinrich August Winkler in seinem neuen Buch auf Erzählkunst verzichtet. Die äußerste Knappheit des Versuchs, deutsche Geschichte "abzuhandeln" macht das wohl notwendig, vermutet Probst. Mit der Frage nach dem "deutschen Sonderweg" im Kopf und mit Blick auf die große Politik geht es laut Probst zügig und genau entlang der großen Linien deutscher Geschichte. Themen wie Demografie, Globalisierung oder Migration werden dabei laut Rezensent nur gestreift. Immerhin: Der Autor bietet "brillante Sätze" zum Thema deutsches Geschichtsbewusstsein hüben und drüben, so Probst.
Robert Seethaler: Die Straße Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in… Ben Lerner: Transkription Aus dem amerikanischen Englisch von Nikolaus Stingl. Er reist an die US-amerikanische Ostküste, um das letzte Interview mit seinem neunzigjährigen Mentor Thomas zu führen,… Lukas Rietzschel: Sanditz Ein imposantes Bild der deutschen Gesellschaft - von der DDR bis in die GegenwartSanditz, eine Kleinstadt am Rande der Republik. Hier leben alte Offiziere, Bürgerrechtler,… Karl Ove Knausgard: Arendal Aus dem Norwegischen von Paul Berf. Wo ist dein Platz im Leben? Wohin gehörst du? Wo liegen deine wahren Gefühle?Wir schreiben das Jahr 1976. Syvert Løyning ist nach einer…