Heinrich August Winkler

Deutsche Diskrepanzen

Eine historische Ortsbestimmung
Cover: Deutsche Diskrepanzen
C.H. Beck Verlag, München 2026
ISBN 9783406851957
Gebunden, 158 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Heinrich August Winkler über die wiederkehrenden Muster der deutschen Geschichte. Warum kann Putin vor allem in Deutschland mit seinen Atomkriegsdrohungen punkten? Warum ist man gerade hierzulande so empfänglich für eine hypermoralische Betrachtung von Politik? Wie kann uns die deutsche Geschichte helfen, die antiwestlichen Haltungen in Ostdeutschland besser zu verstehen? Die Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie kennt so etwas wie wiederkehrende Konstellationen. Jenen tiefer liegenden Mustern der deutschen Geschichte, die gleichwohl große Wirkung entfalten können, widmet sich Heinrich August Winkler in diesem Buch und zieht die Quintessenz seines Nachdenkens über die deutsche Geschichte. Viele deutsche Besonderheiten der heutigen Zeit haben Wurzeln, die tief in die Geschichte reichen: die Angst vor der Apokalypse, das Schwanken zwischen interessenvergessener Moralpolitik und wertevergessener "Realpolitik" sowie das Kokettieren mit einem eigenen deutschen Weg jenseits des Westens. In diesem knappen Band blickt einer der bekanntesten deutschen Historiker aus der Vogelperspektive auf die wiederkehrenden Muster der deutschen Geschichte, die verborgen bleiben, wenn man zu nah an den Dingen steht - und liefert damit einen Beitrag zur Ortsbestimmung der Gegenwart.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 28.09.2026

Heinrich August Winkler attestiert den Deutschen seit dem Dreißigjährigen Krieg eine "Angst vor Bürgerkriegen", die aber manchmal gar nicht so zielführend war, resümiert Kritiker Michael Kuhlmann. Im ersten Kapitel geht es darum, wie diese Angst verhinderte, dass die Revolution von 1848 wirklich durchschlagenden Erfolg haben konnte, um 1933 führte sie zur Kapitulation vor den Schlägertrupps der SA, lesen wir. Als ein weiteres Problem macht Winkler laut Kuhlmann die "Ungleichzeitigkeit" aus: Einerseits hatte Deutschland im Kaiserreich hochmoderne Wahlen, andererseits hatte der Reichstag wenig zu sagen, was dazu führte, dass nach 1918/19 das neue System nicht so umfassend durchgesetzt werden konnte, wie es nötig gewesen wäre. Auch mit dem Begriff der "Realpolitik" setzt sich Winkler mit Blick auf die NATO-Osterweiterung auseinander. Fertige Lösungen hat er dabei nicht, so Kuhlmann, aber interessante Anregungen, von denen er sich dank des Kenntnisreichtums des Autors und seines gut lesbaren Stils gerne zum Weiterlesen und -denken inspirieren lässt.

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