40 Prozent weniger CO2-Emission bis 2020 - das war einmal. Jetzt lautet die neue Zielvorgabe der Bundesregierung: 55 Prozent weniger CO2-Ausstoß bis 2030. Kaum zu glauben. Denn statt zu handeln, verhandeln Beamte aus den deutschen Ministerien hinter den Türen der EU-Fachausschüsse vor allem für die Interessen der deutschen Industrie. Dieselumrüstung? Geht nicht. Gesetze, die die Umwelt schützen? In Deutschland kaum durchsetzbar. Die freiwillige Selbstverpflichtung der Unternehmen soll alles richten. Heike Holdinghausen macht Schluss mit dem Märchen von Deutschlands Vorreiterrolle beim Klimaschutz. Sie legt die Fakten offen und zieht eine ernüchternde Bilanz:
Deutschland produziert und konsumiert, als gäbe es kein Morgen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 19.03.2019
Wohlwollend aber kritisch ist Felix Ekardts Besprechung der Arbeit von Heike Holdinghausen. In fünf Kapiteln zeige die taz-Journalistin auf, um welche gesellschaftlichen Bereiche es insbesondere geht und in welchem Zustand dort die "ökologische Wende" ist. Der "reportagehafte Stil" wird ihr von Eckardt nicht angekreidet, wohl aber, dass sie in vielen Bereichen weniger radikal zupackt, als es, wie er findet, dringend nötig wäre. So definiert sie nicht recht, um welche Umweltziele es überhaupt geht, stellt nicht drastisch genug dar, wie himmelweit man in Deutschland von den völkerrechtlich verbindlichen Zielen des Paris-Abkommens entfernt ist, und erspart den eifrigen Vielfliegern unter ihren Lesern das dramatische Kapitel der Luftverschmutzung durch Flugverkehr, kritisiert er. Ekardt stößt sich auch am Titel, in dem ein "Wir" nahelegt, es gäbe eine klare Unterscheidung von Verursachern und Leidtragenden der ökologischen Misere. Immerhin hält er ihr zugute, dass sie die Klemme der SPD zwischen Öko-Politik und Arbeitsplatz-Argumenten gut analysiert.
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