Hartmut Berghoff, Cornelia Rauh-Kühne

Fritz K.

Ein deutsches Leben im 20. Jahrhundert
Cover: Fritz K.
Deutsche Verlags-Anstalt (DVA), München 2000
ISBN 9783421053398
Gebunden, 442 Seiten, 25,46 EUR

Klappentext

Die Biographie Fritz Kiehns (1885-1980) umfaßt beinahe einhundert Jahre deutscher Geschichte. Nach beträchtlichem wirtschaftlichen Erfolg mit seiner Zigarettenpapierfabrik Efka wird Fritz Kiehn bereits 1930 zu einem rührigen Aktivisten und bedeutenden Geldgeber der NSDAP. Als Kreisleiter wurde er 1932 Mitglied des Reichstags für die Fraktion der NSDAP, 1943 durch die Gauleitung zum Präsidenten der Württembergischen Wirtschaftskammer bestellt. Höhepunkt der Funktionärs- und Unternehmerkarriere war die Mitgliedschaft des SS-Hauptsturmführers Fritz Kiehn im Persönlichen Stab Himmlers. Trotz der Teilnahme an der nationalsozialistischen "Arisierung der Wirtschaft" stufte das Entnazifizierungsverfahren Kiehn schließlich als Mitläufer ein.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 16.11.2000

Die Mikrogeschichte wird an deutschen Unis zwar vernachlässigt, ist aber glücklicherweise nicht tot zu kriegen, denn immer wieder gelingt es ihr, aus dem Kleinen das große Ganze zu erhellen. Das gilt auch für das Buch Berghoff/Rauh-Kühne, findet Michael Wildt. Darin zeichnen die Autoren das Leben des mittelständischen Unternehmers Fritz Kiehn aus dem schwäbischen Trossingen nach. Der wollte mit Hilfe der NSDAP den wirtschaftlichen Platzhirschen Hohner überrunden, wurde strammes Parteimitglied, zum "Führer der württembergischen Wirtschaft" ernannt und bereicherte sich an jüdischem Vermögen. Mit Kriegsende kam der tiefe Fall, aber Arbeitsplätze waren gefragt und so folgte der erneute Aufstieg. Für Wildt handelt es sich um ein "ungewöhnlich einsichtsvolles und kluges Buch über die deutsche Normalität des 20. Jahrhunderts."

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.06.2000

Michael Salewski spart nicht an Lob für die historische Nachzeichnung eines beispielhaften Lebensweges. Eine "historiographische Meisterleistung" sei diese Studie, so der begeisterte Rezensent, da in ihr die Widersprüche in der Biographie des Fritz Kiehn aufgezeigt würden, statt ihn in "nur eine Schublade" zu stecken. In der Untersuchung werden sowohl die Nazi-Karriere Kiehns wie seine Verdienste als Unternehmer um soziale Gerechtigkeit nachgezeichnet und auch sein weiterer Werdegang nach dem Ende des zweiten Weltkriegs beschrieben. Seine Biographie sei gleichermaßen beispielhaft wie einzigartig bemerkt der Rezensent angetan. Das wichtigste aber auch verstörende Ergebnis dieses Buches liegt für den Rezensenten darin, dass Menschen wie Kiehn "ungewollt" auch einen relevanten Beitrag zur Entwicklung der "Sozialen Marktwirtschaft" geleistet hätten, so der beeindruckte Salewski abschließend.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 22.03.2000

Werner Bührer begrüßt dieses Buch als eine der wenigen wissenschaftlich anspruchsvollen und zugleich gut lesbaren Unternehmerbiografen. Solche Bücher seien selten, umso mehr wenn sie nicht von den ganz großen Bossen, sondern, wie hier, von einem Mittelständler handelten: Fritz Kiehn war Hersteller von Zigarettenpapier der Marke "efka". Als beispielhaft präsentierten die Autoren Kiehns Karriere vom kaum gelittenen Aufsteiger in ein schwäbisches Provinzbürgertum, der sich aus Frust der NSDAP zuwendet und im Dritten Reich SS-Offizier wird. Auch die Kontinuität der Nachkriegszeit, in der Kiehn seine Firma ruiniert hätte, weil er hier vor allem alte Kameraden mit Posten versorgte, sei typisch. Eine "beeindruckende Studie", so Bührer, in der man zumal in das Funktionieren und die Mentalität der Nachkriegszeit tiefe Einblicke tun könne.
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