Herausgegeben von Angela Reinthal unter Mitarbeit von Janna Brechmacher, Christoph Hilse, Günter Riederer und Jörg Schuster. Der siebte Band der Kessler-Edition führt in die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg. Kessler schildert u.a.: den Spartakus-Aufstand in Berlin und den Mord an Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht. Die Weimarer Nationalversammlung und den Beginn der Weimarer Republik. Die Unterzeichnung des Versailler Vertrags und die Szene der politischen Clubs in Berlin. Die Redaktionstreffen der "Deutschen Nation". Dann die beginnenden pazifistischen Aktivitäten: die Deutsche Friedensgesellschaft, der Bund Neues Vaterland und die Schrift "Richtlinien für einen wahren Völkerbund" (1920).
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 13.12.2007
Nach Lektüre des siebten Tagebuchbands von Harry Graf Kessler, in dem die Jahre von 1919 bis 1923 festgehalten sind, steht für Jens Malte Fischer fest, dass man es hier mit einem der bedeutendsten Tagebücher überhaupt zu tun hat. Gerade in Kesslers gleichzeitig engagierter und distanzierter Betrachtungsweise des Zeitgeschehens gewinnen die Aufzeichnungen ihre Tiefenschärfe, meint der Rezensent, der herausstreicht, wie ungewöhnlich dieser dem utopischen Sozialismus anhängende "politische Dilettant" gräflicher Herkunft war. Fischer bestaunt die zumeist treffenden politischen Urteile und Voraussagen, mit denen der Autor das Zeitgeschehen kommentiert und fühlt sich beim Lesen in die Sphäre einflussreicher Staatsmänner versetzt, auch wenn er feststellen muss, dass sich Kessler in seiner Wirkung wohl überschätzt hat. Dass die Tagebuchaufzeichnungen aber neben ihrem politisch-historischen Gewicht auch noch höchsten literarischen Ansprüchen genügen, lobt der Rezensenten besonders. Und die Zurückhaltung, die Kessler übt, wenn es um "Einblicke in sein Inneres" geht, findet Fischer angesichts der inflationären Herzensergießungen unserer Zeit sogar angenehm.
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