In der Blütezeit des Uhrmacherhandwerks wird das ehemalige Findelkind Laurent zum Erfinder der verrücktesten Maschinen. Sein Ziel ist es, die Zeit - und damit die Welt - zu beherrschen. In einer furiosen Jagd ringt er um den Preis für die Konstruktion der ersten Dezimaluhr - und um die Liebe von Marie Grossholtz, die als Madame Tussaud in Paris ihr berühmtes Wachsfigurenkabinett eröffnet.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 12.11.2002
Kaum ein gutes Haar kann Rezensentin Maike Albath an diesem Roman lassen, , obwohl er zwei sehr erfolgreiche Erzählmuster verwende, wie sie bemerkt. Da sei erstens die altbekannte Erzählerfigur, die wir schon von Cervantes, Manzoni und Thomas Mann kennen. Zweitens zeichne der Roman eine absonderlich begabte Person nach, so wie Patrick Süßkind in "Das Parfüm" oder Robert Schneider in "Schlafes Bruder". Aber der Buchautor scheitere mit dieser Kopie, urteilt die Rezensentin: "Die kunstvoll einstudierte Imitation ruft die Erinnerung an die Klassiker erst wach, und irgendwie waren die besser." Das Leben eines Uhrmachers während der französischen Revolution langweilt die Rezensentin. Tragischerweise ersticke der Autor jede aufkommende Lebendigkeit mit Wissenschaftsgeschichte und philosophischen Diskursen über die Zeit. "Zäh und langweilig" seien die Beschreibungen des Landlebens, das Personal ist ihr "überzeichnet bis zur Karrikatur" oder "leblos". Unter dem Eindruck dieser Lektüre will die Rezensentin den Autor dorthin schicken, wo er herkam: "in die Gelehrtenkammer".
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 07.11.2002
Gieri Cavelty findet diesen Roman, in dem der absonderliche Werdegang des Uhrmachers Laurent Desept Ende des 18. Jahrhundert geschildert wird, viel zu wenig "stringent", um ihm mit Genuss folgen zu können. Der Rezensent erkennt in der gewählten Gattung der "History-Fiction" zwar die "phantastischen Möglichkeiten" für den Schweizer Autor und er attestiert ihm, diese auch mit "Lust und nicht ohne ironisches Augenzwinkern" angegangen zu sein. Zum Beispiel hebt er die Passage hervor, in der der Berner Uhrwart Curtius den Bernern derart geschickt die "Zeit stiehlt", dass sie heute noch in dem Ruf stehen, besonders langsam zu sein. Doch dass die Hauptfigur dafür das "Charisma einer Eieruhr" besitzt und von den Nebenfiguren völlig in den Schatten gedrängt wird, moniert Cavelty als groben Mangel des Romans. Für ihn ist das Buch insgesamt eine "unausgegorene Mischung" aus durchaus "originellen Einfällen, drögen Denksportaufgaben" und literarischen Anspielungen. Dazu ist ihm das ganze zu "comichaft-überdreht": nicht nur murmelt schon das aus der Saane gezogene Baby Desept Primzahlen vor sich hin und treibt jeden, der mit ihm zu tun hat in den Wahnsinn, am Ende löst Desept sich gar in Luft auf. Dies ist dem Rezensenten offensichtlich zu viel des Guten.
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