Hans Traxler beleuchtet in diesen acht Kunstgeschichten den Kulturbetrieb auf vergnügliche Weise. Hätte Kasimir Malewitsch sein legendäres Schwarzes Quadrat geschaffen ohne diese heute vollkommen vergessene Gruppe anarchistischer Malschülerinnen an der Kaiserlichen Akademie zu St. Petersburg? Wäre Piet Mondrian zu solchem Ruhm gekommen, hätte eine gute, aber etwas zerstreute Fee ihm nicht ein Kästchen in die Wiege gelegt mit einem Linealchen, einem rechten Winkel, einem Bleistift, vier Pinseln und vier Fläschchen mit den Farben Rot, Blau, Gelb und Schwarz? Und was ist mit dem kunstinteressierten Mann, der anlässlich einer Retrospektive von Niki de Saint Phalle eine Nacht in einer riesenhaften Nana verbringt und danach von einer fleischgewordenen Nana durch halb Europa verfolgt wird? Ist jeder Mensch ein Künstler (Beuys) oder wird jeder Mensch in Zukunft für eine Viertelstunde berühmt sein (Warhol)? Das darf man nach der Lektüre dieser herrlichen Satiren getrost bezweifeln.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.04.2022
Andreas Platthaus hat merklich Spaß mit Hans Traxlers illustrierten, kunstvollen Geschichten über Kunst und Künstler von Mondrian, Beuys und Malewitsch über Hitlers Bildhauer Thorak und Hitler selbst bis zu einigen ausgedachten. Zornig, lässig, bezaubernd findet Platthaus die Geschichten über mögliche alternative Geschichtsverläufe, serielle Kunst, den Kunsthandelsbetrieb und den Arm einer Skulptur, der Hitler zum Verhängnis wird. Multitalent Traxler at its best, so Platthaus.
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