Es ist der Klassiker und trotzdem ein Schock: Ihr Mann betrügt sie mit einer jungen Kollegin! Und Anna Michaelis geht. Sie packt etwas Wäsche zusammen und nimmt den erstbesten Flug, nach Edinburgh. Ihr Weg führt sie in die Nationalgalerie. Auf einem Gemälde von Gauguin beginnt eine Frau, als Rückenansicht dargestellt, plötzlich zu sprechen. Es ist der Anfang eines Spiels. Anna reist weiter. Sie steht vor Bildern in aller Welt und entdeckt Komplizinnen, die von Sehnsucht, Ehealltag, Liebe erzählen. In der Beschäftigung mit den Kunstwerken sieht Anna auf ihre eigene Ehe zurück und findet den Mut zu einem neuen Selbstbild.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.11.2014
Großes kleines Buch, findet Rezensent Andreas Platthaus. Wenn Angelika Overath ihre ehegebeutelte Figur auf Reisen schickt, um sie vor Rückenansichten in der Gemäldegalerie zu sich selbst finden zu lassen (was laut Platthaus gelingt), sieht der Rezensent sich kunsthistorisch, psychologisch und ästhetisch gefordert und beschenkt zugleich. Schon den Einfall des Zwiegesprächs zwischen Rückenansicht und Romanfigur findet er genial. Den guten Eindruck verstärkend kommen für Platthaus die Glaubwürdigkeit der Figur und Overaths Erzählweise hinzu: konzentriert und ganz ohne Schlacken trotz des durchaus "gefühligen" Themas, meint er anerkennend.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 11.09.2014
Ungewöhnlich und einnehmend findet Martin Zingg Angelika Overaths neuen Roman. Dafür dass der Rezensent im Buch mehr erkennt als einen gewöhnlichen Eheroman, der Trennungsgründe verhandelt, sorgt die Konzentration der Handlung auf die Wendung im Leben einer Frau nach der Trennung, auf ihre Suche nach neuen Lebenswegen, nach einem neuen Selbstverständnis. Die vielen in den Text eingeflossenen Beschreibungen bekannter Meisterwerke der Malerei, die die Hauptfigur überall auf der Welt anschaut, scheinen Zingg dabei eine besondere, den Leser anregende Rolle zu spielen.
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