Hans Jürgen von der Wense

Routen II

Ostwestfalen
Cover: Routen II
Matthes und Seitz, Berlin 2025
ISBN 9783751810470
Gebunden, 390 Seiten, 48,00 EUR

Klappentext

Mit zahlreichen Abbildungen und zwei beigelegten Messtischblättern aus dem Nachlass. Der Privatgelehrte, Übersetzer, Komponist, Landschaftsforscher, Briefkünstler Hans Jürgen von der Wense legte in dreißig Jahren wandernd 27 000 Kilometer zurück - auf kleinstem Raum. Meter für Meter, stets mit der topografischen Karte in der Hand, erforschte er sein Terrain, die deutschen Mittelgebirge im Grenzgebiet von Südniedersachsen, Ostwestfalen und Nordhessen. Hier kannte und feierte er jeden Baum, jeden Berg, jeden Bach und jedes Dorf. Seine Wanderungen waren Kurzschlüsse zwischen regionaler Mikroskopie und universaler Erfahrung. Was er auf seinen Wegen erlebte, übersetzte er in ekstatische Briefe, geschwinde Tagebucheinträge, luzide Kleinstnotate, Fotografien und fantastische Messtischblatt-Erläuterungen. Die Sammlung dieses verspäteten Frühromantikers mit futuristischem Tempo, dieses Archäologen des Übersehenen, Vergessenen und Untergegangenen umfasste bei seinem Tod etwa 15 000 beidseitig beschriebene, nach Flussverläufen geordnete Blätter. Nach Landschaften geordnet, seine genauen Routen exakt verzeichnet, liegen Wenses Aufzeichnungen nun erstmals als Buch vor. In Routen II steht Wenses Welthauptstadt im Zentrum: Paderborn. Von dort geht es nicht nur ins Lippische Land und ins Nethe-Gebiet bis nach Warburg, sondern auch übers Hochsauerland bis ins Rothaargebirge. Zwei grandiose Reiseberichte enthalten Wenses Naturschreiben in nuce.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 05.02.2026

"Nicht nur in Westfalen, sondern im gesamten Weltall" kann sich der restlos beglückte Rezensent Hans Zippert nach der Lektüre dieses Buches orientieren. Geschrieben hat es Hans Jürgen von der Wense, der im letzten Jahrhundert jahrelang geradezu obsessiv durch Gegenden um, zum Beispiel, Paderborn und Kassel wanderte, also Regionen, in denen andere Leute wenig Interessantes vermuten. Von der Wense hingegen entdeckt dort an jeder Ecke mythische Spuren. Zurück in vergangene Jahrhunderte und Jahrtausende führt ihn seine Spurensuche, die er mithilfe topografischer Messtischblätter unternimmt. Man stößt, jubiliert Zippert, bei von der Wense andauernd auf Informationen, die man nicht einmal bei Google findet. Großartig ist außerdem, wie der Autor ansatzlos zwischen einem weihevollen und einem nüchternen Tonfall hin und her zu wechseln versteht, staunt der Kritiker. Komplett zeitlos erscheint ihm diese Prosa, letztlich beschreibt von der Wense die Gegenden, die er durchwandert, als eine Art paralleles Universum, ein ostwestfälisches Mittelerde. Zippert zumindest rät seinen Lesern, dem Autor ganz unbedingt auf diesen Entdeckungsreisen in der deutschen Provinz zu folgen.