Hans-Dieter Arntz

Der letzte Judenälteste von Bergen-Belsen

Josef Weiss - würdig in einer unwürdigen Umgebung
Cover: Der letzte Judenälteste von Bergen-Belsen
Helios Verlag, Aachen 2013
ISBN 9783869330822
Gebunden, 712 Seiten, 38,00 EUR

Klappentext

In der Befehlskette des deutschen NS-Terrors war ein "Judenältester" ein Funktionshäftling, der als exponierte Persönlichkeit einerseits williger Befehlsempfänger, aber andererseits auch Repräsentant eines "Judenrates" und Helfer der unzähligen, für den Holocaust vorgesehenen jüdischen Opfer sein sollte. Aus dieser Problematik heraus entstand ein Balanceakt, der nie ganz frei vom Vorwurf der Kollaboration und Korruption war. Insofern ist die vorliegende Dokumentation nicht nur eine Biografie über den aus Deutschland stammenden Josef Weiss, sondern auch der exemplarische Beginn einer bisher in Deutschland kaum angelaufenen Forschung. Die Reputation der "Judenältesten" ist bis heute durch viele Vorwürfe schwer belastet.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.07.2013

Rezensent Martin Kröger nennt viele gute Gründe, Hans-Dieter Arntz' Biografie des letzten Judenältesten von Bergen-Belsen, Josef Weiss, zu lesen. Allen voran betont der Kritiker, dass dieses bislang fehlende Porträt eines Judenältesten - die häufig dem Vorwurf der Kollaboration ausgesetzt waren - die historische Diskussion um die Funktionshäftlinge auf eine "neue Stufe" hebe. Er erfährt nicht nur viel über den Werdegang des Mannes, der als Sohn jüdischer Viehhändler im Rheinland geboren wurde und nach seiner Zeit als Frontsoldat im Ersten Weltkrieg als Personalchef eines Kaufhauses in Köln arbeitete. Er liest auch, dass der junge Zionist sich bereits 1933 in Holland für deutsche Emigranten und jüdische Flüchtlinge engagierte. Insbesondere seine Bemühungen als Judenältester um die Häftlinge in Bergen-Belsen hätten Weiss die lebenslange Hochachtung der Überlebenden gesichert, so der Rezensent. Diesem außerordentlichen Werk über einen bemerkenswerten Menschen verzeiht der Kritiker gern, dass es an einigen Stellen ein wenig zu unübersichtlich geraten ist.