Aus dem Dänischen von Erik Gloßmann. Als Niels Bryde zu verstehen beginnt, wie die Welt funktioniert, verliert er nicht nur seinen Glauben, sondern auch seine Familie. Erst durch die Schrecken des Krieges und den plötzlichen Tod seiner großen Liebe erkennt er seinen Fehler.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 01.12.2003
Diese Neuausgabe könnte dazu beitragen, glaubt Christoph Bartmann, dass der Romancier Andersen gegenüber dem Märchenerzähler Andersen wieder ein bisschen an Gewicht gewinnt. Denn die Erzählung, wie ein junger Mann vom Glauben zum Wissen und schließlich wieder zum Glauben zurückfindet, sei "durchaus packender Lesestoff". Gleich mehrere Gattungen will Bartmann in Andersens Werk entdeckt haben, das zugleich "verkappte Selbstbiografie, spekulativer Essay, Geschichtserzählung und Gesellschaftsroman" sei. Der Rezensent hat viel von Andersen selbst in diesem Roman entdeckt, der wie wenige Schriftsteller seiner Zeit "im Bann des Szientismus" gestanden habe. Trotzdem siegt am Schluss zunächst die Liebe, dann der Glaube über die Wissenschaft. Eben typisch Andersen, schließt Bartmann, den die Rückkehr des Protagonisten zum rechten Glauben über die Leiche der Geliebten aber nicht so recht überzeugen kann. "Der Rest dafür umso mehr."
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 13.11.2003
Dieter Borchmeyer ist gespaltener Ansicht: Einerseits freut er sich, dass einer der sechs vergessen Romane Hans Christian Andersens nach mehr als hundert Jahren wieder verlegt wurde. Nur: Warum musste es unbedingt der schwächste sein, ein zwar inhaltlich faszinierendes, doch künstlerisch misslungenes Werk? "Sein oder Nichtsein", erläutert der Rezensent, "ist ein Roman der Glaubens- und Wissenskrise des modernen Intellektuellen": Der Theologiestudent Niels Bryde fällt unter dem Einfluss von Naturwissenschaft und Feuerbach vom Glauben ab, wird Arzt, erkennt, dass Wissenschaft allein auf die Fragen der menschlichen Existenz nicht antworten kann und findet schließlich zu einem modernen, erneuerten Christentum. Die Stärke des Buches sieht Borchmeyer in seiner "intellektuelle Tiefenschärfe" - das dichte Gewebe von Philosophie und Literatur, durchsetzt von schockierend präzisen Zukunftsvisionen. Seine Schwäche: die Künstlichkeit der Figuren. Andersen, schreibt Borchmeyer, tat sich schwer darin, seinen Charakteren Leben einzuhauchen, selbst die Hauptfigur absolviere recht leblos "das Pensum eines religiösen Entwicklungs- und Bildungsromans". Außerdem sei die deutsche Übertragung hölzern ausgefallen, beklagt Borchmeyer und wünscht sich andere Romane.
Juli Zeh: Pony Show Eine prominente Verlegerin unter Mordverdacht. Ein spektakulärer Schwurgerichtsprozess. Und die Frage: Wie verhandelbar ist die Wahrheit? Sie ist über fünfzig, verheiratet… Shida Bazyar: Die Lücken Heimesbach im Hunsrück ist ein fiktiver Ort, an dem sich neunzig Jahre deutscher Geschichte in die Mauern und Biografien eingenistet haben. Es ist eine Gemeinde, die ihre… Botho Strauß: Bleiben und Blicken In Botho Strauß' neuem Buch geht es um die Zeit und ihr Vergehen, um den Zauber der Kunst, um das Originale und das Eigentliche. Vor allem sind es Begegnungen und Nichtbegegnungen,… Dana Vowinckel: Anton und Alma Anton und Alma lernen sich bei einem Schüleraustausch in der Bretagne kennen. Jahre später treffen sie sich auf einer Party wieder. Beide kommen aus Berlin und studieren…