Hans Belting

Faces

Eine Geschichte des Gesichts
Cover: Faces
C. H. Beck Verlag, München 2013
ISBN 9783406644306
Gebunden, 243 Seiten, 29,95 EUR

Klappentext

Sie beginnt bei den Masken der Steinzeit und endet bei den Gesichtern, die die modernen Massenmedien produzieren. In Theatermasken und der Mimik des Schauspielers, im europäischen Porträt und in der Fotografie, im Film und in der Gegenwartskunst entdeckt Belting die vielfältigen Versuche, sich des Gesichts zu bemächtigen, und deren permanentes Scheitern am Leben des Gesichts und des Selbst. Dieses Leben ist undarstellbar, bleibt gegen alle Normen und Klischees resistent und drängt doch immer wieder ins Bild. Selbst die Porträtkunst der europäischen Neuzeit hat am Ende oft nur Masken produziert. Und auch der Film, der das menschliche Gesicht in unvergleichlicher Intimität vorführte, scheiterte an seinem Anspruch, den Menschen zum ersten Mal wirklich ins Bild zu bringen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 17.04.2013

Valentin Groebner staunt über die unerhörte Gelehrsamkeit des neuen Buches des Kunsthistorikers Hans Belting, der hier die allgegenwärtigen icons in eine Traditionslinie mit dem guten alten Porträt stellt, die er vom 7. Jahrtausend vor Christus bis in die Gegenwart spannt. Beltings Beobachtungen scheinen dem Rezensenten nicht nur frappierend, sondern auch von feiner Ironie durchzogen. Allerdings entgeht ihm auch nicht des Autors kulturkritischer Tonfall, das Klagen über den Gesichtsverlust der Moderne. Und über das Verhältnis Verlust und Kult in diesem Kontext hätte er gern mehr gelesen. Ebenso wie über den subjektiven Umgang mit wirklichen Gesichtern, dem flüchtigen in der U-Bahn etwa.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 14.03.2013

Hans Beltings Studie der Geschichte des menschlichen Gesichts in der Kunst hat Roger Willemsen mit großer Begeisterung gelesen. Der Kunsthistoriker hat sich als erster systematisch dieses Gegenstandes angenommen, würdigt der Rezensent. Er folgt Belting von der Antike bis in die Gegenwart und nimmt angeregt zu Kenntnis, dass die Geschichte der Maske beispielsweise eine Wandlung vom Stellvertretergesicht zum Versteck, zur Maskierung, durchmacht. Der Rezensent ist vom Ideen- und Materialreichtum dieser Studie beeindruckt und lässt sich fasziniert auf die Nachzeichnung der Entwicklung und dem Bedeutungswandel der Gesichtsdarstellung in der Kunstgeschichte ein. Am Ende seiner Kritik, bei der er mit Belting bei der "Krise des Gesichts" der Gegenwart anlangt, sinniert er noch über den anachronistischen Versuch, sich mittels eines "Facebook"-Profils Identität zu sichert.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 13.03.2013

Mit großem Interesse folgt Rezensent Ingo Arend dem Kunsthistoriker und Bildwissenschaftler Hans Belting auf seiner Reise durch eine nicht "ganz strenge Kulturgeschichte" des Gesichts. Kenntlich wird dem Rezensenten dabei nicht nur der Irrglaube vom Gesicht als Träger der individuellen Authentizität schlechthin, sondern auch der Bühnencharakter des Gesichts als Schaufläche des Selbst: Es handelt sich um eine Maske von vielen. Doch fällt Arend bei aller Souveränität von Beltings Kulturgeschichte ein zunehmend kulturkonservativer Tonfall auf, je jünger und gegenwärtiger die von ihm beobachteten Felder sind, bis Belting gar eine "Krise der Repräsentation" ausruft: Die frei flottierenden Gesichtsdarstellungen im öffentlichen Diskurs haben keine körperliche Entsprechung mehr. Hinter solchen Überlegungen vermutet Arend einen Kulturpessimismus, dem er sich nicht vorbehaltlos anschließen will: In diesem Punkt hängt Belting dann doch der Vorstellung an, es gebe so etwas wie Authentizität, so Arend.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 11.03.2013

Was der Kunsthistoriker Hans Belting in seinem neuen Buch unternimmt, ist laut Kia Vahland nicht immer hieb- und stichfest. Muss es aber auch nicht, versichert Vahland, die Beltings Mut zum Querdenken mehr schätzt, als eine durch und durch in einem engen Kunstbegriff verhaftete Darstellung. Wenn Belting nun den Zauber des Gesichts und der Maske untersucht, höfische Porträtmalerei wie Fotos, kultische wie mediengesellschaftliche Zusammenhänge hinterfragt, um herauszufinden, was das Bildnis zum Bild macht und dem Gesicht seine Wahrheit nimmt, findet Vahland das so pessimistisch wie facettenreich. Der Generation Facebook traut sie übrigens zu, dem Gesicht noch etwas gänzlich Neues abzugewinnen.
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