Die Familie als Nebeneinander von Beziehungen: Ihre Mitglieder durchlaufen Entwicklungen, sie wachsen, altern, verändern sich, wodurch sich auch die Verhältnisse, die zwischen ihnen bestehen, verändern. Die Empfindungen füreinander wuchern zum Dickicht. Hanno Millesis Kurzgeschichten-Zyklus versammelt unterschiedliche Phänomene dieses Zusammenlebens und beschreibt sie aus der Perspektive von Kindern bzw. Heranwachsenden. Den Protagonisten fehlt es an entscheidenden Parametern, um die Skurrilitäten im Miteinander der Erwachsenenwelt zu begreifen. Sie machen sich ihren eigenen Reim, unternehmen Interpretationsversuche und liegen damit nicht wesentlich weiter daneben als diejenigen, die für diese Zusammenhänge verantwortlich sind. Hier berichten betagte Kinder, die begriffen haben, dass es gilt, die Erwachsenen und ihre merkwürdigen Regeln zu verstehen, mag das auch heißen, alles, was sie bisher an Verständnis angesammelt haben, wieder aufzugeben. Ein bizarres Balancieren zwischen Humor, Groteske und Abgrund.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.03.2007
Lobend äußert sich Rezensentin Daniela Strigl über Hanno Millesis Kindergeschichten. Die Erzählungen, in denen die Kinder ihren Erziehungsberechtigten ausgeliefert scheinen, aus dem befremdlichen Leben der Eltern ausgeschlossen sind oder auch zum Objekt wissenschaftlicher Experimente werden, wirken auf sie irritierend und beklemmend. Vom üblichen Kinderblick in der Literatur, dem meist etwas "mild Erheiterndes" anhafte, sind die Erzählungen in Strigls Augen weit entfernt. Millesi lasse sie die Kinder, die auf das unverständliche elterliche Verhalten meist mit Überanpassung, manchmal aber auch mit perfider Rebellion reagieren, ein "akkurates Bürokratendeutsch" sprechen, das dem Thema alle Gefühligkeit austreibe. Millesis Kinder kommen Strigl vor, "als hätten sie heimlich Kafka gelesen". Und so zwingen sie den Leser, "die Realität nach ihrer Facon zu sehen: als eine wahnwitzige Veranstaltung".
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