Hanna Krall

Herzkönig

Roman
Cover: Herzkönig
Neue Kritik Verlag, Frankfurt am Main 2007
ISBN 9783801503888
Gebunden, 175 Seiten, 19,50 EUR

Klappentext

Aus dem Polnischen von Renate Schmidgall. "Das ist der letzte Abschnitt meiner Reise, und es wäre dumm, wenn ich jetzt verrückt werden würde." Diese nüchterne Feststellung stammt von Izolda Regensberg alias Maria Pawlicka. Seit der Deportation ihres Mannes nach Auschwitz besteht der Sinn ihres Lebens allein darin, ihren Herzkönig zu befreien. Die fieberhaften Bemühungen werden von Absurditäten und Zufällen, von glücklichen und unglücklichen Fügungen begleitet. In Zeiten der Vernichtung wundert sich Izolda über keine Grausamkeit - auch nicht über die eigene. Bis Izolda schließlich im Mai 1945 im Lager Ebensee auf ihren Ehemann trifft, hat sie eine Odyssee von Lagern und Gefängnissen hinter sich. Das Paar kehrt mit "polnischen" Pässen nach Polen zurück. Jahre später fliegt die geborgte Identität auf, und die beiden erhalten jüdische Pässe, die sie zur Ausreise nach Wien zwingen. Izolda, die hervorragende Spezialistin im Überleben, muss erkennen, dass sie das Leben nach dem Überleben nicht in den Griff bekommt. Sie empfindet zunehmend Fremdheit gegenüber der Welt, deren Fixpunkt ihr verloren gegangen ist. Sie zieht zu den Töchtern nach Israel. Umgeben von alltäglichen politischen Ausnahmezuständen und unverständlichen Wortfetzen lebt sie in ihrer Erinnerung noch im Zweiten Weltkrieg.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 21.06.2008

Hanna Kralls "Herzkönig" hat Hans Jürgen Balmes tief beeindruckt. Die 1937 in Warschau geborene Autorin, die den Krieg in einem Schrank versteckt überlebte, erzählt die Geschichte einer Jüdin, der es gelang, in den Wirren des Kriegs und nach einer schier endlosen Odysse durch Gefängnisse und Lager ihren Mann wiederzufinden und mit ihm dem Konzentrationslager zu entkommen. Berührt hat Balmes die Unbeirrtheit dieser Frau, die sich auf dem schmalen Grat zwischen Mitgefühl und Verstellung bewegte und sich in Momenten der Verzweiflung immer für den gefährlicheren Weg entschied. Mit großem Lob bedenkt er die einfache, aber eindringliche Sprache, die ohne jeden falschen Ton auskommt, sowie die ausgezeichnete Übersetzung Renate Schmidgalls. Krall wisse, "wie man das Schweigen um die Wörter erhält, das ihnen Gewicht gibt". Für Balmes ein Buch, "das mit jeder Lektüre wächst".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.11.2007

Marie Luise Knott zeichnet den Weg der Autorin nach. Von Hanna Kralls Reportagen im Dienst des kollektiven Gedächtnisses bis zu diesem Roman über eine Liebe im Warschauer Ghetto, mit dem die Autorin ihre Lakonie laut Knott "zur Meisterschaft" bringt. Dass auf diese Weise das Geheimnis der erzählten Geschichte bewahrt bleibt, verbucht Knott als Gewinn, weil für sie im Ausgesparten der "Verlust menschlicher Gewissheiten spürbar" ist. Weil die Autorin Sprache außerdem nicht überformt, ergreifen "Schrecken und Staunen" angesichts der beschriebenen Welt die Rezensentin.
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