Wenn man die Stille zu Hause nicht mehr aushält, geht man in Gorbach auf ein Bier ins "Kippchen". Oder zum Büdchen um die Ecke. Hier prallen sie aufeinander, am Rand der großen Stadt: Buchhalter, Lehrer, Musikerinnen, Schlachter, Junkies, Lkw-Fahrer, Polizistinnen. Es stellt sich die Frage, ob die Menschen den Ort machen, oder der Ort die Menschen. Der irre Ele, an seine Wohnung und den Rollstuhl gefesselt, erinnert sich an seine ruhmreiche Vergangenheit als stadtbekannter Kleinkrimineller. Filiz hat einen Mitschüler krankenhausreif geprügelt, weil der ihre Mutter beleidigt hat. Eine Radiomoderatorin schließt sich im Studio ein und rechnet on air mit ihrem Chef ab. Dass es zornig und laut zugeht, ist unvermeidlich. Hank Zerbolesch aber findet die leisen und zartfühlenden Zwischentöne, erzählt von Empathie und Hoffnung zwischen Perspektivlosigkeit und alltäglicher Gewalt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.08.2024
Woher kommt die Wut, fragt sich Autor Hank Zerbolesch, dessen Geschichte über ein Stadtviertel und seine meist unzufriedenen Bewohner Rezensent Tilman Spreckelsen mit Gewinn liest. So geht es beispielsweise um einen Kleinkriminellen, der in einer wilden Verfolgungsjagd mit der Polizei schwer verletzt wurde und seitdem im Rollstuhl sitzt, doch auch eine Familie, die Opfer von Brandstiftung geworden ist, kommt zu Wort - Zerbolesch nutzt Spreckelsen zufolge bewusst ambivalente Schilderungen und kommt mit dieser multiperspektivischen Herangehensweise zu differenzierten und bisweilen abgründigen Antworten auf die Frage, warum man in einem schwierigen Viertel wohnen bleibt.
Julian Barnes: Abschied(e) Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte… Elias Hirschl: Schleifen Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In… Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter… Leila Slimani: Trag das Feuer weiter Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…