Ramona Diefenbach

Das Spiegelhaus

Roman
Cover: Das Spiegelhaus
Steidl Verlag, Göttingen 2001
ISBN 9783882437706
Gebunden, 140 Seiten, 17,38 EUR

Klappentext

Er ist Mitte dreißig, sympathisch, unauffällig; sie sind drei l4jährige Mädchen: Cora die Balletttänzerin, Angelika die Träumerin, Beatrice die Geschichtenerzählerin ? drei Kinder an der Schwelle zum Erwachsenwerden. Sie mögen es, wenn Patrick sie von Ferne im Freibad beobachtet, lassen sich gerne nachstellen. Sie kokettieren mit dem seltsamen Charmeur und glauben, das riskante Treiben stets im Griff zu haben. Doch ihr erotisches Abenteuer schlägt um in ein Spiel mit dem Feuer, als die Mädchen in Patricks Haus eindringen und neugierig zu stöbern beginnen. In seinem Schrank finden sie Kleider seiner toten Mutter, die ihnen so ein Zufall wie angegossen passen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 18.09.2001

Für Hermann Wallmann profitiert Diefenbachs raffiniert konstruierter Roman von ihrem literarischen Vorbild, das sie sich - etwas kokett - auch nicht scheut, im Buch zu benennen: Vladimir Nabokov. Mit ihm habe sie das Thema gemeinsam, so Wallmann, bei dem es um verführen und verführt werden, um junge Mädchen und ältere Männer geht. Aber auch literarisch ist Diefenbach bei Nabokov in die "Vorschule der Ästhetik" gegangen, meint der Rezensent und man weiß nicht recht, ob diese Bemerkung nicht einen kleinen Seitenhieb enthält. Ihren Bericht über die Vorbereitung und Inszenierung eines Verbrechens spalte die Autorin in eine Täter- und eine Opferperspektive, was aber keine plumpe Konfrontation von Täter und Opfer zur Folge habe, lobt Wallmann, sondern zwei verschiedene Wirklichkeitskonzepte einander gegenüberstelle: sozusagen spiegelbildlich - siehe Titel des Buches. Das Ende ist Wallmann dann aber doch zu melodramatisch und dadurch etwas "unfreiwillig komisch" geraten .

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.09.2001

Das ist ein klarer Verriss, der mit einem gequälten Aufstöhnen des Rezensenten endet. Viel Anspruch und wenig Format, könnte man seine Kritik auf einen Nenner bringen. In dem Debütroman von Diefenbach geht es um einen Junggesellen, der sich drei pubertierende Mädels zu willfährigen Geliebten macht (allein das klingt schon haarsträubend fehlkonstruiert) und einen üblen Schlachtplan ausheckt, damit diese ihre Mädchenhaftigkeit, die er ihnen ja gerade geraubt hat, nicht verlieren und sie stattdessen lieber in den Tod schickt. Also Achtung: Triebtäter. Wo einem nun Schauer über den Rücken laufen sollten, klagt Michael Adrian, sei man mit einer "Onkelprosa" konfrontiert, die jedes Leseinteresse erfolgreich einschlummern lasse. Im übrigen sei der Roman zwar kunstvoll konstruiert - wechselnde Perspektiven, gespaltenes Bewusstsein, literarische Anspielungen und Bezüge - , aber ohne die entsprechende erzählerische Untermauerung eben auch hoffnungslos überkonstruiert.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 08.08.2001

Claudia Kramatschek rezensiert die Steidl-Neuerscheinung der Autorin Ramona Diefenbach mit erstaunlicher Distanz und Einfühlung, wobei eine Wertung oder Parteinahme nur schwer auszumachen ist. Worum geht es? Drei pubertierende Mädchen entdecken ihre Sexualität durch einen erwachsenen Mann, einen Sexualmörder. Am Ende steht der Tod. Für den Leser entlarvt wird er durch die dritte Erzählstimme der Nachbarin, deren Tochter zum Opfer dieses Mannes wurde. Krimi oder nicht Krimi? "Die Initiation in die Welt der Sexualität ... verhandelt zugleich die Initiation in das Reich des Bösen." Schönheit verbinde sich mit Grauen - und Diefenbachs meisterlich geführte, elegante Sprache mit einer sich steigernden, unerträglichen Spannung um die Verstrickung zwischen Verführer, Verführten und Beobachterin. Die Rezensentin dokumentiert lediglich, sie empfiehlt nicht.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 21.03.2001

Im Diminutiv lobt Wilfried F. Schoeller das literarische Debüt von Ramona Dieffenbach als "kleines Kunststück" und "Kammerspiel" im "Etüdenformat". Methodisch geschickt arrangiert erzähle die Autorin die Geschichte einer erotischen Verstrickung und wechselseitigen Verführung zwischen drei vierzehnjährigen Mädchen und einem pädophilen Mittdreißiger. Doch nicht die Moral einer solchen Liaison, sondern vielmehr ihre Dynamik vom sommerlichen Techtelmechtel bis zur Schwarzen Messe stehe im Vordergrund. So gelinge es der Autorin auch, die Moralfalle und die Gefahr eines Lolita-Abklatsches zu umschiffen. Wie in einem "Ballett aus Krimifiguren" vollziehe sich das weitere Geschehen, das der Rezensent nicht verraten will. Das Debüt findet er schließlich trotz aller Diminutive "hochelegant".
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