H. C. Artmann

der herr norrrdwind

ein operlibretto
Cover: der herr norrrdwind
Residenz Verlag, St. Pölten 2005
ISBN 9783701714100
Gebunden, 95 Seiten, 14,90 EUR

Klappentext

Mit Zeichungen von Herbert Brandl. Der Bauer Geppone und seine Familie nagen am Hungertuch. Schuld an der Misere ist der Herr Norrrdwind, der noch im Wonnemonat über die Felder pfeift und sich bei Gott nicht wie ein Mailüfterl gebärdet. So faßt sich der geplagte Landmann ein Herz und wird kurzerhand bei dem windigen Gesellen vorstellig, um ihm sein Leid zu klagen. Er findet ein offenes Ohr bei Frau Holla, Norrrdwinds Gattin, die ihm ein silbernes Kästchen-deck-dich überreicht, das im Notfall mit jeder Menge Speis und Trank aushelfen soll. Geponne bringt das spendable Kisterl nach Hause, nicht ohne es zuvor ausgiebig getestet zu haben, und die Familie scheint aller Sorgen enthoben. Doch das Glück währt nicht lange, denn vom Duft des Bratens angezogen, findet sich der Herr Pfarrer ein und versteht es flugs, Geppones gutgläubiger Gattin das Kleinod abzuluchsen ?

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 22.06.2005

Ein "kleines operl" hat H.C. Artmann selber diese Auftragsarbeit genannt, und so wird sie auch von Sven Hanuschek besprochen: als ein virtuoses, typisches Stück aus dem Nachlass, seinetwegen wird man die Geschichte des Dichters aber nicht neu schreiben müssen. Da ist der "elegante Artmann- Ton", da ist das Spiel mit scheinbaren Übersetzungen aus wirklichen oder erfundenen Sprachen. "Lirum larum dominarum" sagen die Pfaffen, um die Bauern dumm zu halten, doch denen stehen die Geister der Elemente bei, allen voran der "herr norrrdwind", der Aufklärer. Artmann spielt, so Hanuschek "übermütig mit Märchenmotiven und Geschlechterrollen", und er lässt sich das Vergnügen "geradezu kasperltheaterhaft klassenkämpferischer Klerikerschmähungen" nicht nehmen.
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