Guy Helminger

Morgen war schon

Roman
Cover: Morgen war schon
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2007
ISBN 9783518419182
Gebunden, 332 Seiten, 19,80 EUR

Klappentext

Die langsame Louise träumt auf dem Sofa von einer Reise nach Neuseeland; für ihren Mann Feltzer, den Taxi fahrenden Choleriker, sind die angenehmsten Fahrgäste fünf ausgemergelte Stoffgiraffen. Man könnte es eine einigermaßen glückliche Ehe nennen. Sehnsüchte schweifen in die Ferne, der Alltag klebt hartnäckig am Hier und Heute, und ein leises Unbehagen durchzieht das Zusammenleben. Ein fremder Mann sitzt allzu traulich mit Louise auf dem Sofa. Und bleibt nach einer Fahrt in Feltzers Taxi verschwunden.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 12.08.2008

Maike Albath lobt Guy Helmingers "Morgen war schon" als eine mögliche Zukunft des Familienromans - um anschließend relativ ausführlich dem roten Faden zwischen den "Verzwirbelungen" der vielen Handlungsstränge des Romans nachzuspüren. Ein "Gravitationszentrum" der Handlung lässt sich um den cholerischen Kölner Taxifahrer Feltzer und seiner "pathologisch" langsamen Frau Louise ausmachen. Mit deren Schwangerschaft gewinnt die Geschichte an Fahrt, verkrustete Familienstrukturen brechen auf und lange Tabuisiertes, wie der Suizid von Louises Großeltern, kommt wieder an die Oberfläche. Durch den Montagestil entsteht für die Rezensentin ein Stadtplan, auf dem sich die Lebenslinien der sechs Haupt- und unzähliger Nebenfiguren immer wieder überkreuzen, um sich schließlich zu einem "fesselnden Generationenporträt" zu verweben.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 08.12.2007

Verunglückt findet Rezensentin Dorothea Dieckmann dieses Romandebüt, das sie als "Sittenbilds kaputter Normalos" gelesen hat. Zwar schließt der Roman aus ihrer Sicht mit seinen trostlosen Beschreibungen nahtlos an den viel gerühmten, makber-melancholischen Erzählband dieses Autors an. Glücklich ist sie mit diesem Debütroman trotzdem nicht geworden. Als Protagonisten beschreibt sie einen "obsessiven Stadtneuotiker", seines Zeichens Taxifahrer, für den die Rezensentin durchaus eine gewisse Grundsympathie aufzubringen vermag. Auch für die dunkle Vorstellungskraft dieses Autors, mit der er dessen widriges Leben beschreibt. Was sie als Leserin verschreckt und verstört, ist Guy Helmingers "abstruse Bilderwut", Grammatikfehler und schiefe Bilder, mit denen er immer wieder seine Geschichte im Effekt erstickt. Dabei schätzt Dieckmann den Autor im Grunde, und sieht dessen Leidenschaft und poetischen Willen in einigen Passagen sogar scharfe Konturen gewinnen. Insgesamt jedoch findet sie den Roman erzählerisch inkonsistent und sprachlich misslungen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 09.10.2007

Ein bisschen wie bei Böll fühlt sich Jutta Person bei Guy Helminger manchmal. Es mieft mitunter nach "Kleine-Leute-Aura", und zukunftsträchtig erscheint ihr an den multipel ruinierten Figuren und Orten im Roman auch nichts. Trotzdem kann Person mit dieser an die schwiegerelterliche Kaffeetafel verlegte Horrorshow etwas anfangen. Geduldig puzzelt sie mit den "Vergangenheitsschichten dreier Generationen" herum, legt Pfeildiagramme an und findet dennoch keine übliche Familiensaga vor, sondern immer wieder "abgerissene Erzählfäden". Die scheinen den Abgrund in sich zu tragen. Und für Person die Legitimation für die starke Seite des Textes: seine "Kombinationstaktik".
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