Guy de Maupassant

Auf See

Cover: Auf See
Marebuchverlag, Hamburg 2012
ISBN 9783866481664
Gebunden, 192 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Cornelia Hasting. "Ich spüre, wie der Rausch des Alleinseins in mich eindringt, der süße Rausch der Ruhe, die nichts stören wird, kein weißer Brief, kein blaues Telegramm, nicht die Klingel meiner Tür, noch das Bellen meines Hundes. Ich bin allein, wirklich allein, wirklich frei." Und tatsächlich wird Maupassant während einer zehntägigen Kreuzfahrt mit der kleinen Jacht Bel-Ami durch nichts gestört als seine beiden treuen Matrosen. An Bord unternimmt er leidenschaftliche Exkurse ins Reich der Gedanken, sinniert über die Oberflächlichkeit der Welt des Geldes in Cannes und ihr prätentiöses Verhältnis zur Kunst, über die Selbstreflektiertheit des Künstlers, über Glück und Einsamkeit. Doch der Willkür von Wind und Wellen entsprechend, die das Boot mal vorwärtstreiben, mal zum Verweilen zwingen, kommt Maupassant um einige Landgänge nicht herum - und die haben es in sich. Ob er von einer Trauung berichtet oder von der Herrenrunde am Nebentisch, von in elenden Verhältnissen lebenden Bauern oder der Scheinwelt der reichen Kurorte und Casinos: Maupassants Liebe zum Kosmos, die sich auf See Bahn bricht, steht sein kritisch-sezierender Blick auf die Mitmenschen an Land gegenüber.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 16.01.2013

Obwohl der französische Schriftsteller Guy de Maupassant nur 43 Jahre alt wurde, ist sein literarisches Werk so umfangreich, dass sich darin noch 120 Jahre nach seinem Tod unübersetzte Kostbarkeiten finden, berichtet Kristina Maidt-Zinke. "Eine echte Trouvaille" findet die Rezensentin die Reiseerzählung "Auf See", in der der Autor einen Segeltörn von Antibes über Cannes, Agay, Saint-Raphaël nach Saint Tropez schildert und diesen Reisebericht um allerlei Fragmente von zuvor veröffentlichten Feuilletons und Erzählungen anreichert. Dass er das Ergebnis im Vorwort als spontan entstandenes Kreuzfahrttagebuch ausgibt, ist für die Rezensentin ein Beispiel "von geradezu postmoderner Frechheit". Da passt es gut, dass der britische Postmodernist Julian Barnes ein Nachwort beisteuert. Besonderes Vergnügen, so ist sich Maidt-Zinke sicher, dürfte die Erzählung Lesern bereiten, die mit der Côte d'Azur vertraut sind und hier Belege finden, dass ihre massentouristische Erschließung bereits in den 1880er Jahren unaufhaltsam eingesetzt hatte. Ein Lob gibt es außerdem für Cornelia Hasting, die den Text mit "viel musikalischem Gespür" ins Deutsche übertragen hat.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.08.2012

Nachdem Guy de Maupassants Text "Auf See" als einer von drei Reiseberichten bereits im Jahre 1888 in Frankreich veröffentlicht wurde, ist er nun endlich auch auf Deutsch erschienen, berichtet Rezensentin Lena Bopp. Während der Lektüre ist sich die Kritikerin allerdings nicht ganz sicher, welcher Gattung sie Maupassants Bericht zuordnen soll: Obwohl er in seinem Werk zahlreiche Textfragmente aus bereits publizierten Artikeln verarbeite, erscheint Bopp der Text für eine Collage zu unentschieden. Zugleich wehrt sich die Rezensentin, die hier eine Struktur und auch eine Geschichte vermisst, dagegen von "reiner Prosa" zu sprechen. In jedem Fall folgt sie Maupassant nicht ohne Interesse auf seiner Reise von Antibes über Cannes, Saint-Raphael und Saint-Tropez nach Monaco und liest nicht nur Beschreibungen des Lebens an Bord, des Meeres und des Windes, sondern auch die -meist "ätzend"-spöttischen Gedanken des Autors über die Gesellschaft an der Küste und ganz existentielle Ansichten zu den Bedingungen des unvollkommenen menschlichen Daseins.
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