Gustav Adolf Krieg hat aus rund 65 Gesangbüchern, vom ältesten reformatorischen aus dem Jahr 1523 bis zum Konstanzer Christkatholischen Gesang- und Andachtsbuch aus dem 19. Jahrhundert, über 400 Lieder ausgewählt (und ihnen zum Teil auch Noten beigegeben), die heute mehrheitlich nicht mehr gesungen werden. Die Auswahl ist bewusst keine "Hitliste". Sie stellt Lieder zusammen, die für die jeweilige Epoche repräsentativ oder bezeichnend sind und so den Geschmack (und gelegentlich auch die Geschmacksverirrungen) ihrer Zeit widerspiegeln. So entwirft diese Anthologie auch eine Mentalitäts-, Sprach- und Stilgeschichte unter dem Blickwinkel der Frömmigkeit.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.09.2013
Mindestens sonderbar findet Hermann Kurzke dieses als Anthologie ausgegebene Kirchenlieder-Buch des evangelischen Theologen Gustav Adolf Krieg. Die Auswahl der vorgestellten Kirchenlieder findet der Rezensent gelinde gesagt lückenhaft. Das Mittelalter und die letzten zweihundert Jahre lässt der Herausgeber gleich mal ganz weg, berichtet Kurzke fassungslos, und damit ganze Kontinente oder auch die großen katholischen Marienlieder. Und statt lieblich Ergreifendem oder Frommem bekommt der darbende Rezensent überdies nur karges, ja totes Liedgut vorgesetzt, poetisch Misslungenes, schimpft er. Etwas milder urteilt Kurzke über den Text- und den Kommentarteil im Band. Hier erweise sich Krieg als Kenner der Materie und präsentiere so manche Skurrilität.
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