Klappentext
Aus dem Russischen von Helmut Ettinger. 1924 betritt Sergej Eisenstein zum ersten Mal einen Schneideraum. In Russland fehlt es an allem: an Drehbüchern, Regisseuren, vor allem aber an Filmmaterial. Stattdessen kauft man im Ausland. Hauptlieferant der Träume in Zelluloid sind Deutschland und die USA, aber diese Filme müssen erst "sowjetisiert" werden. Eisenstein beherrscht diese höchst anspruchsvolle Kunst bald wie kein Zweiter. Er weiß um die Mittel des Films: Was gezeigt wird, wird geglaubt und damit zur Wahrheit. Er schafft furchtbare Propagandafilme - und zugleich Meisterwerke von Weltrang. Doch sein ganzes Leben lang leidet er an einer inneren Zerrissenheit. - Gusel Jachinas literarische Biografie ist ein gründlich recherchiertes Panorama der Zeit, eine faszinierende Charakterstudie und eine augenöffnende Lektüre über das Verhältnis von Kunst und Macht."Gusel Jachina ist eine der bedeutendsten Autorinnen der russischen Gegenwartsliteratur." Ljudmila Ulitzkaja
Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 20.02.2026
Als "lohnenswert" im Mindesten empfindet Rezensent Enno Stahl die Lektüre von Gusel Jachinas "Eisen" - schon allein deshalb, weil man hier gleich zweierlei Roman in einem erhält: Das opulente literarische Porträt eines großen Künstlers in der Diktator, der sich die schwerwiegende Frage stellen muss: Anpassen oder untergehen? Und zugleich: Ein breites historisches Panorama der Sowjetunion unter Stalin. Der große Künstler, dessen Leben sich Jachina hier aus gebührlicher Distanz, mit viel Ironie, aber nicht ohne Einfühlungsvermögen widmet, ist Sergej Eisenstein, lesen wir: der Filmregisseur, der unter Stalin Filme wie "Panzerkreuzer Potempkin" drehte - Propaganda in politisch-kritischer Hinsicht, Meisterleistungen in künstlerischer Hinsicht. Jachina nimmt Eisenstein aus beiden Perspektiven in den Blick, erkennt seine Leistungen an, befreit ihn aber nicht aus der Verantwortung, schreibt Stahl. Dabei lässt sie sich mitunter zu ausführlichen Beschreibungen seiner filmischen Arbeiten hinreißen, deren Langatmigkeit das Lesevergnügen ein wenig mindert, aber nicht von der Lektüre abhalten sollte, so der Rezensent.
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