Aus dem Italienischen von Ragni Maria Gschwend. Mit einem Nachwort von Michael Krüger. Am 2. Juni um 2 Uhr morgens verschwindet die gesamte Menschheit, lautlos und ohne Spuren zu hinterlassen. Zurück bleiben die Sachen und die Tiere, die sich schon bald mit wachsender Furchtlosigkeit hervorwagen, um die Erde wieder in ihren Besitz zu nehmen. Übriggeblieben ist außerdem: ein einziger Mensch, ein Einzelgänger, der mit der Welt nicht zurechtkam und sich in ebendieser Nacht das Leben nehmen wollte. In einer paradoxen Umkehrung wird der verhinderte Selbstmörder nun zum einzigen Repräsentanten menschlichen Lebens, zur Menschheit schlechthin. Offen bleibt dabei die Frage, ob er, der einzig verschont Gebliebene, ein Auserwählter oder ein Verdammter ist.Geschrieben kurz vor dem Freitod des Autors, ist Dissipatio ein visionäres Porträt unserer heutigen Zeit, ein philosophisches Vermächtnis und das Testament eines großen italienischen Solitärs.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.01.2022
Rezensent Wolfgang Schneider hat etwas übrig für die auf leisen Flügelschwingen daherkommende Apokalypse in Guido Morsellis Roman von 1977. Dass die Erde nach dem Abgang des Menschen keine öde Steppe sein wird, sondern ein lebendiges Paradies, wie der Autor vermuten lässt, hat sich Schneider schon gedacht. Morsellis Geschichte um den letzten Menschen auf Erden ist für Schneider daher nicht nur ein das profunde Leiden an der Einsamkeit bildstark thematisierendes und angesichts heutiger Katastrophen hochaktuelles "Weltabschiedswerk", sondern auch die utopische Vision einer vom Menschen befreiten Erde, und das ganz ohne Terror, wie der Rezensent staunend feststellt.
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