Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.06.2004
Der "angesehene emeritierte Würzburger Strafrechtler Günter Spendel" fasst gerne heiße Eisen an, und das gefällt Gerd Roellecke ausgesprochen gut. In der Aufsatzsammlung "Für Vernunft und Recht" geht es beispielsweise um die Frage, ob die Bundesregierung "das Leben des Arbeitgeberpräsidenten Schleyer opfern" durfte, um die "Bürger vor terroristischer Bedrohung zu sichern?" Oder war es einem Arzt in der NS-Zeit gestattet, tausend Geisteskranke zu töten, wenn er dadurch viertausend retten konnte? Diese brenzligen Fragen werden vor einem geistesgeschichtlichen Panorama entfaltet, in dem der "Apfelschuss Wilhelm Tells" ebenso wenig fehlt wie der "merkwürdige Vertrag des jüdischen Geldverleihers Shylock" und Friedrich Ebert. Besonderes Augenmerk widmet der Rezensent der Tatsache, dass Spendel sich auch ganz allgemein "der Rechtsbeugung im Unrechtsstaat" zuwendet. Dabei komme der Autor, indem er "strikt den gleichen Maßstab" anlege, zu dem Schluss, "dass das SED-Regime den Anschein von Rechtlichkeit, den jedes Gerichtsverfahren vermittelt, noch gemeiner ausgenutzt und instrumentalisiert hat als das NS-Regime". Als Tugend rechnet der Rezensent dem Autor auch an, dass er sich "vom Zeitgeist nie wirklich irritieren" lasse, was seiner Meinung nach beinahe die Verpflichtung beinhalte, ihn zu lesen.
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