Heike Krokowski legt die erste ausführliche Darstellung und Analyse der durch KZ-Haft und Verfolgung bedingten Spätfolgen- Problematik bei den deutschen Sinti und Roma vor. Das Buch untersucht auf der Basis von Interviews die Formen der Traumatisierung und der Erfahrungsverarbeitung bei den Überlebenden. Darüber hinaus beleuchtet es den Einfluss der Verfolgungserfahrung auf das Familienleben und auf das Selbstverständnis der nachgeborenen Sinti in der Bundesrepublik.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 06.05.2002
Die Autorin Heike Krokowski sieht in der "Oral History" die Grundlage der Identität der Zigeuner, weiß die Rezensentin Dagmar Pöpping. Aufgrund der Traumatisierung und Demütigung durch Verfolgung und Lagererfahrung, so eine Erkenntnis von Krokowski, erfahre die Vermittlung von Traditionen auf diesem Wege eine massive Störung: Der Autoritätsverlust der traumatisierten Eltern gegenüber ihren Kindern bewirke ein Anpassungsbedürfnis der jungen Generation an eine deutsche Gesellschaft, die sie nicht will und in die sie eigentlich auch kein Vertrauen haben. Die auf Kinder ausgerichtete kulturelle Identität der Sinti sei zudem infolge von Zwangssterilisierungen in ihren Grundfesten erschüttert. Das Schweigen der Opfer wurde nach Krokowski, so die Rezensentin, erstmals mit dem amerikanischen Spielfilm "Holocaust" gebrochen. Die Autorin schließt mit der Studie hier an: In 67 "lebensgeschichtlichen Interviews mit KZ-Opfern und ihrer Nachfahren" berichten Sinti aus ihrer Sicht und faszinieren die Rezensentin mit ihrem Selbstverständnis als Zigeuner. In ihrer "klugen" Auswertung mit Hilfe psychoanalytischer Begrifflichkeiten macht Krokowski den Charakter des Traumas deutlich, lobt die Rezensentin und empfiehlt als ergänzendes Buch "Die Nachkriegsdeutschen und ihre Zigeuner" von Gilad Margalit.
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