Gregor Hens

Nikotin

Cover: Nikotin
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2011
ISBN 9783100325839
Gebunden, 190 Seiten, 17,95 EUR

Klappentext

"Ich rauche nicht mehr, aber es gibt immer wieder Momente, in denen ich an nichts anderes denken kann als an Zigaretten. Gerade ist so ein Moment. Ich sollte dieses Buch wirklich nicht schreiben, es ist viel zu riskant." Gregor Hens geht das Risiko ein und erinnert sich: An die erste Zigarette, mit der er in einer kalten Silvesternacht Raketen anzündete und schließlich daran zog, um seine Mutter zu beeindrucken, an den dichten blauen Dunst im Mercedes 280 SE seiner Eltern auf der Fahrt in die Ferien, und natürlich an den Genuss des Rauchens, an die Lust auf die nächste Zigarette und viele phantasievolle Spielarten des Aufhörens. Ein leidenschaftlicher Versuch, die Sucht schreibend zu bannen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 02.08.2011

Rezensentin Judith von Sternburg hat "Nikotin" genossen, auch wenn sie augenscheinlich nie geraucht hat. Am Ende, versichert sie, kann jeder froh sein, der die Finger von den Zigaretten gelassen hat, hat aber auch den Eindruck, etwas versäumt zu haben. Der Schriftsteller Gregor Hens, Sohn zweier Kettenraucher, erzählt von den Höhe- und Tiefpunkten des Rauchens, von der Initiation zu Silvester (mit fünf), der ersten Selbstgedrehten, der ersten Inhalierte. Von den eweigen versuchen, aufzuhören, den verrückten Rauchern in der Psychiatrie. Sternburg hat dies sehr fasziniert verfolgt, weil Hens sprachlich und gedanklich sehr gewitzt schreibt, und zwar mit einer moderaten Selbstironie , die nicht jeden ernsthaften Gedanken unmöglich macht.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 20.04.2011

Eine Gesellschaft ohne Laster hat etwas Bedrohliches, vermerkt Ursula März in den einleitenden Notizen ihres Artikel. Überall wird um des bloßen Längerlebens willen Verzicht gepredigt: Verzicht auf Alkohol, auf Zigaretten, auf Fleisch. Und, wer weiß, demnächst wohl auch auf Sex: Auch diesem Thema wird sich die dem Religiösen so zugewandte "Zeit" früher oder später stellen müssen! Vorerst aber plädiert März aber noch für Gelassenheit und bespricht Gregor Hens' Reflexion über das süße Gift des Nikotins (zusammen mit Peter Richters Buch "Über das Trinken") mit großer Freude: Er beschönige nichts, schreibe als Nichtraucher aus der noch recht heiklen Kurzperspektive von nur acht Monaten Abstinenz. Da ist man nicht nicht drüber weg! Für März ist sein Buch ein "Ratgeber", aber im besten Sinne, den dieses Wort haben kann.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 26.03.2011

Ein faszinierendes Buch, wohl das beste des Autors bisher, lobt Christoph Schröder. Insbesondere die bislang so von Gregor Hens noch nicht gelesene Mischung mache das Gelingen dabei aus. Einerseits nämlich sei das Ganze ein Essay über die eigene Nikotinsucht und die Vorgeschichte des Rauchens in der eigenen Familie - weil eine Großtante beim Tabakfabrikanten Brinkmann gearbeitet hat, gibt es, erfährt man zum Beispiel, noch bis ins Jahr 2071 monatlich zwei Stangen Zigaretten pro Monat umsonst. Richtig großartig aber werde dieser Band, weil Hens in diese biografisch-essayistischen Berichte und Überlegungen die sehr bittere Beziehungsgeschichte zu seinem überaus konservativen Vater einzuflechten versteht. Das "Offene" und "Ungeschützte" daran sei wohl gerade der scheinbaren Distanzierung in der Essayform zu verdanken. Der Rezensent jedenfalls ist gebührend beeindruckt.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.03.2011

Darauf einen Glimmstengel. Jochen Hieber tut das nicht, um den Autor zu quälen, sondern um dessen in diesem Essay verhandelten Triumph "zu stabilisieren". Hieber hat natürlich gleich gemerkt, wie das Ganze funktioniert: Da schreibt Gregor Hens lang und breit über seine Initiation (mit 5!) und Sozialisation als Raucher und davon, wie er mit dem Rauchen aufgehört hat, über Ausgleichssport und den Rausch des Rückfalls, und alles, was er damit bezweckt ist, nun aber wirklich mit dem Rauchen aufzuhören. Das Buch als Therapie. Das ist sympathisch. Da will Hieber gerne solidarisch eine qualmen.
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