Aus dem Schwedischen von Verena Reichel. Er ist erst sechs Jahre alt, weiß aber schon genau, was er einmal werden will: Prediger wie sein Papa. Und deshalb erbettelt er sich einen seriösen schwarzen Anzug und verfasst auf seiner Schreibmaschine Predigten, am liebsten Begräbnisreden auf noch Lebende. Doch dann kommt der Tag, an dem er aus Versehen eines der Zehn Gebote bricht... Göran Sahlberg gewährt uns einen Blick in die Seele dieses Jungen, der glaubt, das Weltenende durch seinen Ungehorsam heraufbeschworen zu haben - ein Roman, der in seinem Ernst verstört und in seiner Lebenslust beglückt. Er schmeckt nicht einmal mehr die Veilchenpastillen, die er von seinem Vater geschenkt bekommt. Bei dem Versuch, sich so viele Stecknadeln wie möglich zwischen die Lippen zu klemmen, hat er nämlich seinen Geschmackssinn verloren. Und noch etwas unterscheidet den Sechsjährigen von anderen Kindern: Er glaubt fest daran, dass er mit einem Schlips zur Welt gekommen sei, um seinem Vater, einem Prediger, als Kollege zur Seite zu stehen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 03.06.2008
Stephan Opitz legt uns wärmstens den Roman Göran Sahlbergs ans Herz, der darin von einer Kindheit in den 50er Jahren im Dunstkreis der schwedischen Freikirchen erzählt. Nicht nur der leichtfüßige Ton und das ausgesprochene Geschick des schwedischen Autors bei der Komposition seiner berührenden Geschichte um den Sohn eines freikirchlichen Predigers, der sich schon im zartesten Alter durch eine Pfingst-Predigt hervortut, haben es dem Rezensenten angetan. Er bewundert zudem die genauen Kenntnisse der freikirchlichen Glaubensinhalte mit ihren apokalyptischen Gottesplänen, über die Sahlberg als Religionspsychologe verfügt. Dieses von Erzählfreude und Lust an bunten Details sprühende Romandebüt, das dennoch eine kluge, verspielte "Distanz" zur eigenen Geschichte an den Tag legt, ist zur Freude des Rezensenten zudem von Verena Reichel vorzüglich ins Deutsche übersetzt worden.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.06.2008
Franziska Seng zeigt sich beeindruckt von diesem Romandebüt. Dass Göran Sahlberg seine Kindheitsgeschichte eines Predigersohnes weder in komischem Kitsch noch in psychoanalytischen Weisheiten über Religion und die Macht der Sprache versenkt, sondern sein Sujet gut ausgeleuchtet und dennoch unangestrengt und mit respektvoller Ironie in Szene setzt, findet sie bemerkenswert. Seng leuchtet die nachgezeichnete Kollision kindlicher Fantasie mit den profanen Realitäten unmittelbar ein - als Aufruf für das Leben.
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