Verbinden statt spalten
Eine Antwort auf die Politik der Polarisierung

S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2025
ISBN
9783103977158
Gebunden, 256 Seiten, 22,00
EUR
Klappentext
Wer heute in die deutsche Gesellschaft schaut, könnte denken: Es ist ein Land voller Drama, Gegeneinander und Spaltung. Dass dies so sei, ist eine Erzählung, die politisch generiert und medial verstärkt wird. Gilda Sahebi entlarvt sie als Lüge, als Herrschaftsinstrument autoritärer Kräfte. Studien zeigen immer wieder: Im eigenen Leben sind Menschen viel öfter zufrieden; sie helfen und unterstützen einander, suchen Verbindung, nicht Hass. Wo geht die Suche nach Verbindung auf der gesellschaftlichen Ebene verloren? Und was kann man tun, um der Erzählung von Spaltung keinen Raum im eigenen Leben zu geben?
BuchLink. In Kooperation mit den Verlagen (
Info)
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk, 02.12.2025
Rezensentin Luise Sammann findet viel Einleuchtendes in dieser Analyse von Spaltungserzählungen der deutsch-iranischen Journalistin und Politikwissenschaftlerin. Darunter hauptsächlich die Erkenntnis, dass große Polarisierungsdebatten - sei es bei Diskussionen um "Black Lives Matter" oder bei der hiesigen Stadtbilddebatte - Konstrukte sind, die selten die Wahrheit abbilden. Obwohl die meisten Menschen in den Graubereich dieses Spektrums fallen, kreieren solche Konstrukte gerade die Spaltung, die sie kritisieren, erfahren wir. Dabei gehe es im Verlauf dieser von Politiker:innen und Machthabenden instrumentalisierten Empörungstaktik schon lange nicht mehr um das bessere Argument, sondern schließlich nur um die vollständige Zerstörung des Gegenübers. Sammann lobt die Eingängikeit, mit der die Autorin diese Überlegungen in ihren beispielreichen Ausführungen entwickelt. Schade ist nur, dass ein Großteil dieser Beispiele aus dem amerikanischen Raum stammen und dadurch die Reichweite des Textes etwas einschränken, urteilt die Kritikerin. Erfrischend findet sie dagegen den letzten, wenn auch zu kurzen, Teil über individuelle Lösungsmöglichkeiten in Form von differenziertem, einander zugewandtem Zuhören.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 16.10.2025
Eine Anleitung zum produktiven Umgang mit Polarisierung im gesellschaftlichen Raum entnimmt Rezensent Michael Hesse Gilda Sahebis Buch. Die Journalistin interessiert sich dafür, wie sich im öffentlichen Raum Erzählungen durchsetzen, die Spaltungen betonen und verschärfen, wie diese Erzählungen oft wichtiger werden als Fakten und wie es populistischen Kräften wie Trumpisten und der AfD dadurch gelingt, sich als Retter in der Not darzustellen. Am besten gefallen Hesse die Passagen des Buches, die sich damit beschäftigen, wie Macht funktioniert, auch auf einer neurophysiologischen Ebene - Spiegelneuronen spielen dabei eine Rolle, am Ende geht die Fähigkeit zu Empathie flöten. Verhandelt werden, fasst Hesse weiter zusammen, diverse Streitthemen unserer Zeit, insbesondere woke gegen rechts, insgesamt achtet Sahebi bei der Analyse allerdings etwas zu wenig auf ökonomische und soziologische Determinanten, für sie zählen vor allem, siehe oben, fatale Erzählungen. Auch ist die Auswahl der Beispiele etwas sehr US-lastig geraten, findet der Rezensent, der dennoch den Eindruck hat, dass dieses flüssig verfasste und auch gar nicht mal nur pessimistische Buch einem durchaus Anleitungen bieten kann für den Umgang mit den Kulturkämpfen unserer Zeit.