John, der erfolgreiche junge Finanzjongleur, ist seiner sinnleeren Tätigkeit überdrüssig und sucht eine neue Herausforderung. Da trifft es sich gut, dass Sir Paul, der vereinsamte alternde Schriftsteller, eines willigen Helfers bedarf. Was sich als unspektakuläres Arbeitsverhältnis zwischen treuergebenem Adlatus und grimmigem Dichterfürsten anlässt, nimmt in diesem Dialogroman zusehends klaustrophobische, paranoide und schliesslich auch unverhohlen sadistische Züge an.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.11.1999
Glaubt man der Rezensentin Julia Encke, dann ist dies ein grausames Buch. Es geht einem durch und durch, wenn sie zitiert, was der blinde Dichter zu seinem jungen Sekretär sagt: "Was ich von Ihnen möchte, sind Ihre Augen." Encke liest den Roman als einen Versuch über das "Maskenspiel der Autobiografie" - denn den jungen Sekretär braucht der Dichter, um ihm seine Lebensgeschichte zu diktieren. Natürlich verrät die Rezensentin das Geheimnis dieses Krimis nicht, aber offensichtlich hat sie das Buch zum Teil auch enttäuscht. Das rohe Leben, das da in Adairs postmoderne Konstruktion einbricht, scheint nicht ganz nach ihrem Geschmack. Darum empfiehlt sie noch einmal ausdrücklich Adairs vorletztes Buch "Der Tod des Autors", eine literarische Auseinandersetzung mit Paul de Mans Begriff der "Dekonstruktion".
Höchst beeindruckt zeigt sich Michael Maar von diesem Roman. Besonders Adairs offensichtliche Freude an einem komplizierten Plan, in dem kleinste Details eine bedeutende Rolle spielen, ringen ihm Respekt ab. Besonders wichtig ist dabei die Blindheit Paul Readers. Denn da das Buch in Dialogform angelegt ist, sind sowohl Paul Reader wie auch der Leser auf Äußerungen der Gesprächspartner des Blinden angewiesen, Nicht-Ausgesprochenes muss erfühlt, erahnt werden. Dabei gelinge es Adair außerordentlich gut, eine Atmosphäre heraufzubeschwören, bei der sich dem Leser "die Nackenhaare aufrichten". Dem Lektorat allerdings wirft Maar etliche Schlampigkeiten vor. Die Übersetzung habe einen ausgeprägten Schweizer (und damit nicht neutralen) Zungenschlag.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 13.10.1999
In einer Kurzkritik von wenigen Zeilen äussert sich K. H. Kramberg kryptisch über Adairs neuen Roman. Zunächst stellt er für sich fest, dass an dem Ausgang der Geschichte wohl nur "Sadisten allererster Ordnung" ihre Freude haben können. Dies scheint jedoch ein Lob zu sein. Denn abschliessend erklärt Kramberg, dass, wer diesen "furiosen" Stoff nicht mag, "keine Gnade" verdiene.
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