Während Anthropologie als "die Lehre bzw. Wissenschaft vom Menschen" hinlänglich bekannt ist und die Biologische wie die Historische Anthropologie Unterdisziplinen bilden, so ist sie im Zusammenhang mit dem Adjektiv "biohistorisch" weniger bekannt. Anthropologinnen und Anthropologen sprechen von biohistorischen Quellen, Urkunden, Überresten, Sammlungen, Prozessen und Methoden. Es handelt sich um jene interdisziplinäre Forschungsformation, die evolutionäre Prozesse anhand von Körperteilen, die gesammelt und methodisch ausgewertet werden, zu rekonstruieren sucht. Die Beiträge in diesem Band befassen sich aus historischen, wissenschaftshistorischen und kulturanthropologischen Perspektiven mit der Geschichte und Gegenwart solcher Ansätze. Mit dem Begriff der biohistorischen Anthropologie werden dabei auch Resonanzen im kultur- und geisteswissenschaftlichen Raum erzeugt. Damit verbunden sind Fragen wie: Was ist Geschichte und wem gehört sie?
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 22.08.2012
Für Rezensentin Eva Mackensen leistet der von Marianne Sommer und Gesine Krüger herausgegebene Sammelband die Vorstellung eines ganz neuen Arbeitsfeldes in den Kulturwissenschaften. Es geht um den Boom der Ahnenforschung mittels fossiler Funde, ein Riesengeschäft. Bei Mackensen heißt es biohistorische Anthropologie. Die Autoren des Bandes, erläutert sie, geben anhand verschiedener Beispiele (Atapuerca, "Negros Burial Ground") einen Einblick, wie sich aufgefundene Schädel mittels DNA-Analyse zu nationalen und kulturellen Identitätsstiftern wandeln können. Es geht um archäologische Themenparks, Living History, eine neue Erinnerungskultur, bei der auch der performative Gedanke nicht vergessen wird, wie Mackensen feststellt.
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