Warum sollte Julia keine Schwester haben? Mit der Umdeutung von drei Frauenschicksalen bei Shakespeare zeigt Gertrud Fussenegger, wie verformbar literarische Motive sind. Entstanden sind drei postmoderne Novellen von klassischer Schönheit: "Julias Schwester", "Jessica" und "Ich bin Ophelia".
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 09.12.1999
Von gedämpften "Altersstil" sei da nichts zu spüren, schreibt Dieter Borchmeyer bewundernd über den jüngsten Novellen-Band der 87jährigen Gertrud Fussenegger, die sich wagemutig an Shakespeares Frauengestalten macht und deren Leben weiterspinnt. Die drei Geschichten von Hamlets Ophelia, Shylocks Jessica und und der Schwester von Romeos Julia setzen dort ein, wo die Theaterstücke enden (im Falle von Julias Schwester) oder schreiben Theatergeschichte neu (beim "Kaufmann von Venedig" und "Hamlet"), bewegen sich aber alle "in einem exakt recherchierten historischen Ambiente". Temperamentvoll seien diese Novellen, von epischer Fülle, schreibt Borchmeyer, ein "später Triumph für eine lange totgesagte Gattung."
Lena Schätte: Das Schwarz an den Händen meines Vaters Motte wird sie von ihrem Vater genannt. Eigentlich hat sie sogar zwei Väter: den einen, der schnell rennen kann und sich auf alle Fragen eine Antwort ausdenkt. Und den anderen,… Angelika Klüssendorf: Trost 2022. Angelika Klüssendorf erzählt von Liebe, Entzweiung und der Sehnsucht nach Zugehörigkeit. Rita, Meisterin darin, sich in die falschen Männer zu verlieben, fällt plötzlich… Petra Morsbach: Orion Nora lernt bei einem Studentenjob ihren späteren Mann kennen, einen Archivar. Sie wird Lehrerin für Deutsch und Geschichte in einem oberbayerischen Gymnasium, zieht einen… Christine Wunnicke: Wachs Schauplatz ist Frankreich im 18. Jahrhundert, das vorrevolutionäre und das überaus revolutionäre. Und es lieben sich zwei Frauen, die verschiedener nicht sein könnten: Marie…