Ein paar Berichte in den apokryphen Evangelien und, alles in allem, keine fünf Seiten im Neuen Testament - mehr umfasst die Geschichte von Maria nicht. Und doch ist daraus ein gigantischer Komplex aus Frömmigkeit und Religion, Liturgie und Institution und vor allem Theologie und Dogmatik entstanden, der nicht nur zum elementaren Bestand des Christentums gehört, sondern auch Grundfragen von Zivilisation, Geschichte und Menschsein betrifft. Doch wie kam es dazu? Wie konnte eine zunächst historische Figur zu einer der bedeutendsten Gestalten der christlich geprägten Welt werden? Gerhard Poppenberg rückt in seiner weniger religions- als kultur- und ideengeschichtlich ausgerichteten Suche nach Antworten die Bildlichkeit der Immaculata-Darstellungen ins Zentrum und erkennt schließlich Maria als ein Denkbild. Dessen exemplarische Analyse führt nicht nur zur historischen Figur Maria, sondern liefert auch Einsichten darüber, was ein kultureller Gegenstand überhaupt sein kann.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 20.01.2026
Tief taucht Rezensent Konstantin Johannes Sakkas in diesen Band ein, der freilich seinerseits zu kurz geraten sei, um sein Thema wirklich umfassend zu behandeln. Dabei hat der Autor, der katholische Romanist Gerhard Poppenberg, einiges auf dem Kasten in Sachen Philosophie und Theologie. Er widmet sich hier der Marienfigur und dem Marienkult, wobei er zunächst nachzeichnet, wie Maria schon qua unbefleckte Empfängnis der menschlichen Geschichtlichkeit enthoben wird und gewissermaßen den Sündenfall Evas wiedergutmacht. Wichtiger ist Poppenberg in diesem Band allerdings der historische Marienkult, dessen Ursprünge vergleichsweise jungen Datums sind und mit dem Beginn der Aufklärung in eins fallen. Erst in der Neuzeit wird Maria Poppenberg zufolge zu einer Mittlerin zwischen Dies- und Jenseits - eine These, die anschließend an verschiedenen historischen Beispielen wie der Maria von Guadalupe erklärt wird. Sakkas liest das alles mit Interesse, ist allerdings nicht ganz einverstanden, wenn Poppenberg Maria vor allem als Verkörperung einer weltlichen Befreiungstheologie darstellt. Sakkas meint, dass eine solche Historisierung Marias ihrer ambivalenten theologischen Rolle nicht gerecht wird. Eine anregende Lektüre war Poppenbergs Buch für ihn gleichwohl.
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