"Über die Blindgänger war noch nicht entschieden. Die Zünder rosteten. Dies war einmal die Innenstadt von Köln gewesen. Das Leben begann." Kurz nach dem Krieg stand Gerd Fuchs als Studienanfänger in der zerbombten Großstadt, am Anfang seiner Journalisten- und Schriftstellerkarriere. Jahrzehnte später blickt er zurück und gräbt im Erinnerungsschutt nach Glutnestern. Ob er über seine Zeit in Köln als "möblierter Herr" schreibt, der mit seiner Zimmerwirtin Spekulatius isst, über seine Kindheit im idyllischen Hunsrück, die bald durch Bombergeschwader zerstört wird, oder sich mit seinem nie ganz fassbaren Vater auseinandersetzt, immer legt er den glühenden Kern frei.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 17.07.2010
Rezensent Christoph Schröder weiß diese autobiografischen Skizzen des 1932 geborenen Schriftstellers Gerd Fuchs zu schätzen. Persönliches Erleben und Zeitgeschichte sieht er darin nahezu beispielhaft für die im Nationalsozialismus geborene Generation verschmolzen. Pendelnd zwischen präziser Alltagsbeobachtungen und essayistischen Betrachtungen führen die Erinnerungen des Autors für Schröder direkt in eine "Mentalitätslandschaft", die unsere Gegenwart bis heute präge: die der jungen intellektuellen Bundesrepublik kurz nach Ende des Kriegs und Auschwitz. Nicht alles gefällt dem Rezensenten gleich gut. Einige Passagen, etwa die über Fuchs' ersten Auftritt in der Gruppe 47, überzeugen ihn nicht wirklich. Dagegen lobt er die Erinnerungen an Kindheit, Adoleszenz und Studentenzeit, die sich für ihn durch "Beobachtungsdichte" auszeichnen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.06.2010
Beeindruckt an diesen Lebenserinnerungen an eine Kriegskindheit im Hunsrück und Nachkriegserfahrungen mit der Gruppe 47 haben Kathleen Hildebrand vor allem das immer wieder im Bekannten aufblitzende Ungeahnte und Lebendige. Auch wenn der Journalist und Schriftsteller Gerd Fuchs von seinen Kölner Studienjahren erzählt, entdeckt Hildebrand nicht nur Persönliches und hochrealistisch Beschriebenes, sondern auch das Überraschende an der Vergangenheit. Eine Schwachstelle des Bandes sieht die Rezensentin allerdings in den poetischen Ausdrucksbemühungen des Autors. Das wirkt dann auf Hildebrand allzu oft bemüht und klischeehaft und nur selten bereichernd. Lieber sind ihr die von eindrücklicher Ehrlichkeit geprägten Reflexionen über deutsche Geschichte und Zeitgeschehen beim älteren Fuchs.
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