Brandbomben auf Köln, brennende Nachbarhäuser, und Mutter Helene sagt zum sechsjährigen Sohn: Schau es dir genau an! Und es gab viel zu schauen: erst Herrsching am Ammersee, wohin die Familie flieht, dann das vom Bombenkrieg völlig vernichtete Düren. Aber Kühn belässt es nicht beim Beobachten und Schreiben, er mischt mit: Macht Wahlkampf auf dem platten Land, gründet einen deutsch-türkischen Verein, ist Schöffe am Jugendgericht und Betreuer eines Strafgefangenen, arbeitet in der Drogenhilfe und in einer Gentechnik-Kommission. Zum ersten Mal erzählt der Mann, der in seinen Büchern von so vielen bedeutenden historischen Persönlichkeiten erzählt, von sich selbst und seiner Zeit.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 12.06.2014
Für Hans-Herbert Räkel ist dieser Autor ein virtuoser Amateur, der der Erinnerung oder der Wirklichkeit immer wieder grandios auf die Sprünge hilft. Dem Rezensenten ist es gleich, ob Dieter Kühn tatsächlich mit dem Schiff bis nach Grönland oder nur bis Brest gelangt. Wichtig ist doch, dass er vom Nordlicht so wunderbar zu erzählen vermag. Wunderbar ordnungsmäßig ordnungslos auch, wenn Kühn die Erinnerungschronologie immer wieder mit Einwürfen unterbricht, bis eine neue Ordung entsteht, wie Räkel amüsiert feststellt. Als Anrufung der Wirklichkeit und ihrer möglichen Alternativen macht die Behandlung des autobiografischen Stoffes in diesem Buch für Räkel erst so richtig Sinn.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.11.2013
Der große Atem der Epen weht Walter Hinck aus diesem Riesenbuch an. Das autobiografische Großprojekt Dieter Kühns fasziniert ihn wie es ihn auch erschöpft. Der Autor, Hansdampf, bietet laut Hinck nicht allzu viel Orientierung durch die 1270 weitgehend dem Prinzip der Diskontinuität gehorchenden Seiten, auf denen Kühn seine lebengeschichtliche und schriftstellerische Entwicklung nachzeichnet. In Sequenzen handelt der Autor etwa seine Mittelalterstudien ab, zu Hermann von Reichenau, den Tumortod seiner Mutter oder seine Beziehung zu Siegfried Unseld. Ein Härtetest, dem sich Hinck nicht ohne Genuss unterworfen hat.
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