1936, im holländischen Exil, entstand der Roman "Der etruskische Spiegel". Harry Frank, ein Jude aus Deutschland, ist in das Rom Mussolinis gereist. Aus einem Silberspiegel blickt mit seinem Gesicht das eines anderen Juden, dreitausend Jahre alt. Im Spiegel scheint der Untergang der etruskischen Gesellschaft als düstere Prophezeiung gegenwärtigen Unheils auf. Harry Frank, der die alten, abendländischen, zur Vergessenheit verurteilten Dinge liebt, will den Spiegel versenken, um das Orakel zum Schweigen zu bringen; mit dem Spiegel geht er selbst unter, trinkt das Todeswasser des Vergessens. Der etruskische Spiegel ist der letzte Roman Georg Hermanns und noch nie in Deutschland erschienen. Vergessen und Erinnern, zentrale Motive des Werks, prägen dieses Buch, das visionär das Scheitern der jüdischen Assimilation in Europa zeichnet.
Dass die "sehr schön" aufgemachten Bände der Gesamtausgabe von Georg Hermann jetzt für knapp zehn Euro "verramscht" werden, tut Rolf Vollmann in der Seele weh, auch wenn er damit seine Sammlung günstig komplettieren kann. An der Geschichte über ein Alter Ego des Schriftstellers, dass 1936 ins zwar auch faschistische, aber immer noch kommodere Italien emigriert, gefällt Vollmann vor allem das "Lässige, fast Elegante" dieser Figur und Hermanns Schreibstil überhaupt. Der Rezensent sieht Hermann in der Nachfolge von Fontane, dem "Unterhaltungsschriftsteller", auch wenn er in seiner "beiläufigen" Art doch ganz eigene Wege zu beschreiten scheint.
Juli Zeh: Pony Show Eine prominente Verlegerin unter Mordverdacht. Ein spektakulärer Schwurgerichtsprozess. Und die Frage: Wie verhandelbar ist die Wahrheit? Sie ist über fünfzig, verheiratet… Daniel Kehlmann: Afrika Im Winter 1884 versammeln sich auf Einladung Bismarcks die großen Mächte zu einer Konferenz, auf der ein ganzer Kontinent mit all seinen Reichtümern aufgeteilt werden soll:… Shida Bazyar: Die Lücken Heimesbach im Hunsrück ist ein fiktiver Ort, an dem sich neunzig Jahre deutscher Geschichte in die Mauern und Biografien eingenistet haben. Es ist eine Gemeinde, die ihre… Dana Vowinckel: Anton und Alma Anton und Alma lernen sich bei einem Schüleraustausch in der Bretagne kennen. Jahre später treffen sie sich auf einer Party wieder. Beide kommen aus Berlin und studieren…