Dieser Roman "So war's eben", der jetzt erstmals aus dem Nachlass der Autorin erscheint, erzählt das Durchschnittsleben von reichen und bescheidenen Familien in der Zeit von 1898 bis in die fünfziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Während die Geschicke der Familien ihren Lauf nehmen, tobt der Erste Weltkrieg, die Weimarer Republik mit ihren Wirrnissen und Kämpfen zwischen Rechten und Linken findet ihren Widerhall in den Zeitungsredaktionen, dem Milieu von Gabriele Tergits Zeit als Journalistin. Nach einer Familienfeier am 30. Januar 1933, die fast alle Figuren des Romans versammelt, beginnt die Emigration nach Prag und Paris, später nach London und in die USA; erzählt wird von den immer größeren Problemen der Emigranten und der zurückgebliebenen Juden, den Selbstmorden, Deportationen und der Vernichtung einer Mischehe.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 07.01.2022
Rezensentin Marie Schmidt fühlt Bitterkeit darüber, dass Gabriele Tergits dritter Roman seinerzeit von den Verlagen für unzeitgemäß gehalten wurde. Heute wirkt er mit seinem Verzicht auf eine ordnende Stimme und seiner mosaikhaften, dokumentarischen Darstellung von Milieus, Figuren und Geschichten aus dem Nazi-Berlin, der Emigration und der Nachkriegszeit umso zeitgemäßer, findet Schmidt. Wie die Autorin hier den lebendigen Dialogstil aus ihrem Roman "Käsebier" mit einem durch die Zeiten gehenden Plot wie in "Effingers" verbindet, erscheint Schmidt großartig. Mit dem Figurenregister bei der Hand liest sie gebannt über den Alltagsantisemitismus am Berliner Kaffeetisch, über das Überleben in Theresienstadt und das möblierte Dasein im Exil. Genauso war's eben, ahnt sie.
Rezensentin Katharina Teutsch nimmt einige Mühen auf sich, um sich mit dem mannigfachen Personal, den wechselnden Schauplätzen und allerhand verworrenen Verhältnissen in Gabriele Tergits Roman von 1956 zurechtzufinden. Belohnt wird sie schließlich mit einem Berliner Zeitroman, der detailreich den Untergang des jüdischen Bildungsbürgertums und den Untergang Preußens vor Augen führt. Mit dem Register in der Hand folgt Teutsch einigen jüdischen Familien vor dem Hintergrund zerfallender Wertesysteme bis ins Exil nach Paris, London, New York und zurück ins zerbombte Berlin. Tergits politische Kenntnisse und journalistische Sorgfalt und ihr Sinn für die Vielstimmigkeit der Großstadt und die Ambivalenzen ihrer Figuren machen das Buch für Teutsch zum intensiven, spannenden Lektüreerlebnis, das die Welt "zwischen Kaiserreich und jüdischem Exil" noch einmal auferstehen lässt.
Julian Barnes: Abschied(e) Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte… Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter… Elias Hirschl: Schleifen Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In… Leila Slimani: Trag das Feuer weiter Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…