Gabriele Riedle

Versuch über das wüste Leben

Roman
Cover: Versuch über das wüste Leben
Die Andere Bibliothek/Eichborn, Frankfurt am Main 2004
ISBN 9783821845487
Gebunden, 300 Seiten, 28,50 EUR

Klappentext

Mit diesem Buch hat Gabriele Riedle nichts Geringeres gewagt als eine faustische Inspektion der globalisierten Körper, Seelen und Geister an der Schwelle zum 21. Jahrhundert - eine Suchbewegung, die das Treibgut der Gedanken und Gefühle, Ideologeme und Phantasmagorien einer ganzen Generation aufwühlt. Eine Art Mephisto-Figur schickt die Erzählerin zu ihren Freunden in ein norddeutsches Waldidyll. Die abgelegene Lichtung wird jedoch von Gespenstern heimgesucht: von Mördern und verlorenen Göttern, Georgiern und Rumänen, Terroristen und toten Vätern, aber auch von höchst lebendigen Gestalten aus dem Trinkerterritorium jenseits der Elbe. Deshalb flüchtet diese kleine Gruppe von Versprengten ans Ende der Welt, auf die Galapagos-Inseln, dorthin, wo Darwin dem Geheimnis der Evolution auf die Spur gekommen ist. Aber dem Scheitern entgeht sie nicht; denn auch dieses Paradies ist längst zur Hölle geworden.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 26.03.2005

Hübsch amüsiert hat sich die Rezensentin Barbara Kerneck bei der Lektüre von Gabriele Riedles Geschichte um ihr fiktives alter ego, das bezeichnenderweise den Nachnamen seiner Schöpferin trägt. Weltgewandt sei Riedle und darüberhinaus auf "faustischer Suche" nach dem, "was die Welt im Innersten zusammenhält". Als Riedle und der von ihr wahnhaft verehrte "Herr Er" sich verfehlen, so die Rezensentin, ziehe sie sich in ein idyllisch gelegenes Blockhaus zurück, das von ihren zwei mütterlichen Freundinnen, der "Ärztin ohne Grenzen" und der Psychotherapeutin und Exhure, bewohnt werde. Deren sehr alternativ gefärbtes "Geplänkel" um "Abwasch und Weltsicht", das leichtherzig "Einteilung der Menschen in korrekte und unkorrekte" vornimmt, besteche durch seinen Witz und so manche skurrile Formulierung, "die Riedle so leicht niemand nachmacht". Gerade diesem Witz hätte die Autorin auch den Vorzug vor der hochfahrenden, immer wieder durch Goethe-Zitate beschworenen Faustschen Perspektive geben sollen, meint die Rezensentin. Denn Riedles "vergnüglich verschnörkelten Einfallsreichtum" könne getrost "etwas mehr aggressiven Elan" verkraften. So hätte dieser "von der ersten bis zur letzten Seite einzige, melodische innere Monolog" an Stimmigkeit gewonnen.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 27.01.2005

Immerhin beachtlichen Mut bescheinigt Karl Markus Gauß der Autorin Gabriele Riedle, sonst äußert er sich eher zweischneidig über diesen Roman. In "polemischer Bestform und außer poetischer Kontrolle" hat er Riedle hier erlebt und eine "bizarre Geschichte, in der fast alles, worüber in den letzten Jahren geredet und geschwätzt wurde, durchgekaut und verächtlich ausgespuckt" werde. Solange sie sich dabei in Kulturkritik übe, findet Gauß sie auch von schlagendem Witz, zu beachtlicher Peinlichkeit sieht er sie dann gesteigert, wenn sie ihren weiblich-sinnlichen Überschwang bemüht. Hier raunt und rauscht es, und das wüste Leben ist weniger etwas, in das die Autorin hineinzieht, als etwas, zu dem sie grimmig entschlossen scheint. Dabei weiß Gauß nicht zu entscheiden, ob Riedle pennälerhafte Emphase ("Fühl ich mein Herz noch jenem Wahn geneigt?") wirklich ernst gemeint ist.
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