Zwei Generationen liegen zwischen ihnen, eine Freundschaft verbindet sie: Friedrich Dönhoff (45) und Gerald B. Rosenstein, genannt Jerry (86). Im Sommer 2013 reisen sie im Auto von Amsterdam nach Bensheim, auf den Spuren von Jerrys Kindheit und Jugend. Wenige Wochen später treffen sich beide in San Francisco, wo Jerry seit 1949 wohnt. Denn Jerry will erzählen. Nachdem er sein Leben lang allen Fragen ausgewichen ist, die seine Vergangenheit betrafen, möchte er nun berichten, was er als Jude in Deutschland, Holland und Auschwitz durchgestanden hat - und wie er später als Schwuler in den USA zurechtgekommen ist und seine innere Freiheit fand. In Friedrich Dönhoff hat er einen aufmerksamen Zuhörer, der seine Geschichte ganz ohne Pathos, aber mit viel Feingefühl nachzeichnet.
Marko Martin ist froh darüber, dass dieser von Friedrich Dönhoff verfasste Band mit Erinnerungen des Holocaust-Überlebenden Jerry Rosenstein nicht zu Kitsch oder "Ranschmeiße" des Autors an Rosenstein und seine Lebensgeschichte neigt. Als Begegnungsbuch bezeichnet Martin den Band und hält die Ruhe und Behutsamkeit, mit der der Autor sich seinem Gegenstand nähert, für die entscheidende Qualität des Buches. In der unterkühlten Diktion des Davongekommenen aber wird das Unsagbare für den Rezensenten erst konkret sowie die Kraft, die es braucht, sich als Überlebender eine gewisse seelische Stabilität zurückzuholen.
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