Klappentext
1 Nervensommer präsentiert den Bild-Text Zyklus von Friederike Mayröcker und Andreas Grunert, der ab 1998 in einem anderthalbjährigen Dialog zwischen dem Maler und der Schriftstellerin entstand. In einer Assoziationskette, die sich im Wechsel von Gemaltem und Geschriebenen weiterentwickelte, reagierte Mayröcker auf Grunerts Bildideen und er auf ihre Wortgebilde. Seine Bildsprache, deren Zusammenhänge rätselhaft bleiben, und ihre Texte, deren Hauptthema einzelne Wahrnehmungsphänomene und die Magie von Sprache an sich ist, ergänzen sich dabei im Verzicht auf Zeit, Ort und Kausalitäten. Bilder und Texte sind geeint durch das assoziative Zusammenspiel, das Fragmentarische und der damit verbundenen Absage an einfache Deutung und lineare Erzählung. Das Künstlerbuch 1 Nervensommer umfasst 13 Texte von Friederike Mayröcker und 25 Leinwandbilder von Andreas Grunert. 13 zusätzliche Radierungen ergänzen den Zyklus.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.12.2024
Rezensent Nico Bleutge ist von diesem Dialog in Bild und Text zwischen Friederike Mayröcker und dem Maler Andreas Grunert besonders angetan und erklärt erst einmal, wie es dazu kam. Nachdem Mayröcker eine Einladung zu einer Ausstellung Grunerts erhalten hatte, war sie so beeindruckt, dass sie ihn zu sich einlud. Was dann passierte, beschreibt Bleutge als einen zündenden "Funken", der sich in freundschaftlicher Kreativität entfachte. Mayröcker entdeckt bei Grunert Bildmotive als Quellen literarischer Inspiration. Auf ein Bild folgen für Bleutge berührende Zeilen. Ein Gefühl von walzender Traurigkeit begleitet diesen Dialog von Anfang an, meint der Rezensent. So entsteht ein Ballspiel von äußerst kreativer Kraft, in dem Motive und Bedeutungen ausgetauscht und geteilt werden. "Mayröcker-Worte" werden in Grunerts Farben lebendig, schwärmt Bleutge. Doch nicht nur im Gefühl, auch in der Poesie treffen hier zwei Stimmen aufeinander, denn Grunderts surreale Bildwelten passten gut zu Mayröckers fragmentarischem Stil, "der sich jeder Linearität entzieht", erklärt Bleutge schließlich verzaubert.
Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 07.12.2024
Rezensent und Dichter Nico Bleutge bespricht ausführlich einen neuen Mayröcker-Gedichtband und blickt in diesem Zuge auch kurz auf einen Text-Bild-Band, der die Zusammenarbeit von Mayröcker und dem Maler Andreas Grunert zeigt. Die von Marcel Beyer gesammelten und herausgegebenen Gedichte 2004-2021, die sich aus Mayröckers letzten beiden Gedichtbänden plus einer Auswahl aus anderen, teils neu aus dem umfangreichen Archivbestand herausgelesenen Texten zusammensetzen, ziehen den Kritiker auch dieses Mal wieder in den Bann: Mit ungeheurer Sprach- und Assoziationslust, die sich an jeder noch so kleinen "alltäglichen" Sache oder Gegebenheit entzünden könne - sei es das Einkaufen beim Fleischer, eine tote Maus im Graben oder ein Telefongespräch - gehe es in den Gedichten ums Schreiben, um Kindheitserinnerungen, um Blumen oder die Liebe zu Ernst Jandl. Und wie verspielt die Lyrikerin dabei eine stark vom Motiv der Optik geprägte "Kunstwirklichkeit" schaffe, die mit Philosophie-Zitaten ebenso operiert wie mit Kinderliedern, wird von Bleutge bestaunt. Besonders interessant findet er auch Mayröckers Spiel mit der Form: im sogenannten "Proëm", das Poem und Prosa mischt und von Beyer im Nachwort spannend analysiert werde, lernt Bleutge die Dichterin nochmal ganz neu und abseits der ihr oft zugeschriebenen Verfahren kennen. Schließlich führt ihm auch der "schöne" und "atmosphärische" Band "1 Nervensommer" mit Text-Bild-Übertragungen zwischen Mayröcker und Andreas Grunert nochmals den immensen Einfluss der Dichterin auch in der nicht-schriftstellerischen Kunstszene vor Augen. Eine doppelte Leseempfehlung von Bleutge.
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