Fred Vargas

Bei Einbruch der Nacht

Cover: Bei Einbruch der Nacht
Aufbau Verlag, Berlin 2000
ISBN 9783351028862
Gebunden, 336 Seiten, 18,41 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen übersetzt von Tobias Scheffel. Camille, Komponistin, lebt mit dem kanadischen Grizzly-Forscher Lawrence einen Sommer lang in den französischen Alpen. Während Lawrence im Mercantour, nahe der italienischen Grenze, Wölfe beobachtet, sitzt Camille an ihrem Keyboard, sucht musikalische Inspiration für eine Seifenoper. Da passiert etwas Ungeheuerliches, das uralten Aberglauben wieder lebendig werden läßt: Ein riesiger Wolf, nein, ein Wolfsmensch, so sagen die Leute, zieht nach Einbruch der Dunkelheit mordend durch die Dörfer, reißt Schafe und hat in der letzten Nacht die Bäuerin Suzanne getötet. Verzweifelt über die Gleichgültigkeit der Polizei, machen sich Suzannes halbwüchsiger Sohn und ihr wortkarger alter Schäfer in einem klapprigen Viehtransporter allein an die Verfolgung des Mörders. Und sie überreden Camille, den stinkenden Wagen zu fahren. Ein Roadmovie über gefährliche Bergstraßen Richtung Norden beginnt, aber immer ist ihnen der Mörder einen Schritt voraus...

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 26.09.2000

Robert Brack bespricht zwei neue Krimis aus Frankreich, deren Autoren von deutschen Lesern mittlerweile sehr geliebt würden: Fred Vargas, weil sie solide Geschichten baut, und Jean-Claude Izzo, der einem Marseille nahe bringt.
1) Fred Vargas: "Bei Einbruch der Nacht" (Aufbau Verlag)
Es ist der mittlerweile vierte Roman, der nun auf Deutsch von Fred Vargas vorliegt, weiß Robert Brack und berichtet weiter: hinter diesem Pseudonym verberge sich eine Pariser Archäologin, die das Krimischreiben zu ihrem Hobby erkoren habe. Die Geschichte ist in den französischen Alpen angesiedelt und spielt das Motiv des Werwolfs durch, der vermeintlich Tiere und sogar Menschen mordet. Auf den ersten Blick eine geradlinig erzählte Geschichte, meint Brack, die gelegentlich ins Bedeutungsschwere abdrifte, was bei dem mythologischen Thema ja auch kein Wunder sei. Auf den zweiten Blick erwiesen sich denn auch die Protagonisten des Romans als keineswegs eindimensional, sondern seien ebenso undurchsichtige Charaktere wie die von ihnen verfolgte Geschichte Rätsel aufgebe, die eben eine detektivische Lösung erfordere.
2) Jean-Claude Izzo: "Chourmo" (Unionsverlag)
Sehr viel schlechter als Vargas kommt Izzo bei Robert Brack weg: als großmäulig und großspurig bezeichnet Brack Izzos Hauptfigur, den italienisch stämmigen Kriminalkommissar Montale. Und er findet noch mehr Argumente für sein Unbehagen. Dass der Autor aus dem simpel gestrickten Macho einen intellektuellen Autodidakten gemacht hat, findet er beispielsweise wenig einleuchtend. Auch vermisst er die nötige Distanz des Autors zu seiner Figur, die dieser heftig und in der eher selbstgefälligen Pose des Einzelkämpfers gegen alle sozialen Missstände der französischen Hafenstadt wettern und agieren lässt - mit anderen Worten: plump, so plump wie auch die Konstruktion der Mordgeschichte, die bei Brack auf keine Gegenliebe stößt. Einziges Zugeständnis unseres unzufriedenen Rezensenten: er liebt die fiebrige Atmosphäre, in die Izzo eine weitere Protagonistin aller seiner Romane taucht: die Stadt Marseille.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 12.09.2000

Tatsächlich sollen ja in den französisch-italienischen Alpen wieder Wölfe leben. Das ergibt ein ganz neues Szenario, das, so rühmt der Rezensent mit de Kürzel "ust", völlig frei ist von den gängigen Klischees des Krimi-Genres. `Das Gebirge wird wieder Kampf`, zitiert "ust" die französische Autorin, die eigentlich Archäologin ist und nebenher Krimis schreibt. "Bei Einbruch der Nacht" ist ihr vierter, der in Deutsch erscheint. Vermeintlich geht der Werwolf um, es kommt zu Überfällen und Jagden, die völlig anders ausgehen, als zunächst zu vermuten ist, schreibt "ust". Ihm hat die in der französischen Provinz angesiedelte Kriminalgeschichte gut gefallen, die Landschaftsbeschreibungen erinnern ihn an den Provenzalen Jean Giono.
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