Franziska Walter
Sicherheit in Bayern
Innenministerium, Landeskriminalamt und Verfassungsschutz 1945-1970

De Gruyter Oldenbourg Verlag, Berlin 2025
ISBN 9783111680026
Gebunden, 682 Seiten, 89,95 EUR
ISBN 9783111680026
Gebunden, 682 Seiten, 89,95 EUR
Klappentext
Wie kann die öffentliche Sicherheit gewährleistet werden? Franziska Walter untersucht ausgehend vom bayerischen Innenministerium, Landeskriminalamt und Landesamt für Verfassungsschutz die Aushandlungsprozesse, die die Sicherheitsarchitektur von 1945 bis 1970 auf Landesebene formten und die Zusammenarbeit mit den Bundesorganen kennzeichneten. So unterschiedlich die Aufgaben und Kompetenzen der drei Behörden waren: Wissen aufzubereiten und die Arbeit der verschiedenen Akteure zu koordinieren, wurde zur zentralen Strategie, um Sicherheit zu gewährleisten. Als prägende Faktoren der Polizeipolitik und des Verfassungsschutzes auf Landesebene versteht die Studie das Personal, das zum großen Teil bereits während der Weimarer Republik und des Nationalsozialismus in Polizei und Justiz gearbeitet hatte, und die Eigenlogiken der Behörden. Auf Basis teils erstmals zugänglicher Quellen zeigt sie verworfene Pläne, tiefgreifende Entscheidungen aber auch widersprüchliche Vorgehensweisen auf. So stärkte etwa das Polizeiaufgabengesetz von 1954 den Schutz vor staatlichen Eingriffen, während die Ermittlungsbehörden zeitgleich teils an diskriminierenden kriminologischen Vorstellungen festhielten.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 28.07.2026
Rezensent Rüdiger Bergien hält Franziska Walters Münchener Dissertation für eine Pioniertat zum Thema Sicherheit auf föderaler Ebene. Verstehen lässt sich mit Walters Arbeit laut Bergien aber nicht nur die Geschichte und Entwicklung des Bayerischen Innenministeriums, des Landeskriminalamtes und des Landesamtes für Verfassungsschutz seit 1945, sondern auch der Wandel der "alten" Bundesrepublik. Die Studie behandelt NS-Belastungen der Verwaltung und das Fortwirken rassistischer Denkmuster ebenso wie das sich in den 1960ern formende Verständnis von urbaner Unsicherheit, erklärt Bergien. Den Rezensenten beeindrucken die lokale Perspektive, die Detailfülle und die Tiefe der Analysen, auch wenn der häufige Wechsel der Schlaglichter die Darstellung etwas fragmentiert, wie Bergien feststellt.
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