Franz Josef Czernin

das labyrinth erst erfindet den roten faden

einführung in die organik
Cover: das labyrinth erst erfindet den roten faden
Carl Hanser Verlag, München 2005
ISBN 9783446205789
Gebunden, 192 Seiten, 16,90 EUR

Klappentext

Ein großes Gedankenexperiment, in dem Sprüche und ihre Widersprüche, Sätze und ihre Gegensätze sich als die Extreme eines poetischen Möglichkeitssinns zeigen. Zwischen poetischer Emphase und wissenschaftlich genährtem Skeptizismus, zwischen Religion und Säkularität, zwischen Mythos und Ratio entfaltet sich das Labyrinth dieser Gedanken. Karl Valentin und Wittgenstein werden ebenso paraphrasiert und manchmal auch parodiert wie Nietzsche und Novalis, Hegel und Kant.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 14.06.2006

Die Arbeit des Autors Franz Josef Czernin fordert dem Rezensenten Hans Jürgen Balmes vollste Bewunderung ab. Er nennt es ein "bemerkenswertes und wunderbares, ein merkwürdiges" Buch, das gleichzeitig "Fundgrube" und "Arbeitstollen" sei. Dementsprechend lässt er sich in seiner Rezension voll auf die Themen ein, die das Buch bereit hält. Da wären die Ideen von Novalis und Borges, die Czernin gegeneinander antreten lässt. Auch das Verhältnis von Wissenschaft und Poesie interessiert den Autor, und der Rezensent entdeckt in seinem Blickwinkel auf diese Ideen viel Interessantes: Themen wie "das Ich oder das Individuum, der Mensch als Gattung, der Stein als Prinzip der Schwerkraft" werden reflektiert. Trotz alledem kommt der Humor nach Meinung des Rezensenten nicht zu kurz: "Hintersinn darf auch an Slapstick grenzen."

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 14.09.2005

Sascha Michel ist dankbar für die Quälerei, die Franz Josef Czernin ihm bereitet hat: Nach all dem allzu realistischen Erzählen kamen die "semantischen Wucherungen" und hochtrabenden Aphorismen, die demonstrativen Lücken zwischen ihnen und all die bedeutungsvolle Programmatik gerade recht. Schließlich, schreibt Michel, will Czernin genau das: "mit seiner aphoristischen Poetik der Unterbrechung unendlich auf die Nerven gehen". Und wieso? Weil er die subjektphilosophische Krisenerkenntnis des sich selbst nicht identischen Ich ernst genug nimmt, um sie nicht nur zu behaupten, sondern auch poetologisch umzusetzen. Und zwar im Rückgriff auf die Frühromantiker. Also künden immer neue Doppelpunkte an, was dann nicht folgt: einen festgezurrten Sinnzusammenhang. Eine Zumutung sind diese Texte, klar, aber auch, in ihrer "inneren Unruhe" und mit ihrem "emphatischen Anspruch" auf die Weltdeutungskraft der Literatur eine Abwechslung vom lahmen Einerlei mit einer unerwarteten Wirkung. Denn gerade in dem wenig konkreten Rückbezug auf Sprache und Bewusstsein erhalte Czernins Prosa das, was gute Geschichten auszeichnet: "Weltgehalt".
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