Franz Hodjak

Ein Koffer voll Sand

Roman
Cover: Ein Koffer voll Sand
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2003
ISBN 9783518413944
Gebunden, 244 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Bernd Burger und seine Frau Melitta sind mit ihrer Tochter im Auto unterwegs Richtung Deutschland. Es ist eine Reise des gültigen Abschieds und der Ankunft im Ungewissen. Die Familie kommt aus Rumänien und will ins Auffanglager Hamm; bis in die Bodenseeregion hat sie es schon geschafft. Dort aber wird alles kompliziert. Die Länder, die in wenigen Kilometern Abstand aneinanderstoßen, irritieren die Reisen. Sie haben ihre Erfahrungen mit Grenzen und Versuchen, sie zu überschreiten. Hier nun sind plötzlich die Staatsgrenzen nicht recht zu erkennen, man nähert sich ihnen gut vorbereitet und vorsichtig, und plötzlich ist man auf der anderen Seite, ohne es bemerkt zu haben. Was die Lage nicht übersichtlicher macht: Bernd Burger kann nicht Auto fahren und seine Frau weder Landkarten noch Straßenschilder lesen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 25.09.2004

Stark beeindruckt und ein klein wenig irritiert zeigt sich Nico Bleutge angesichts dieses Romans von Franz Hodjak. Die äußere Handlung einer Irrfahrt des Protagonisten mit seiner Familie gehe einher mit den ebenso verschlungenen Gedankengängen des Protagonisten. Das "größte Raffinement" des Romans liege letztlich darin, so der Rezensent, dass sich mit der Zeit kaum noch entscheiden ließe, ob die äußeren Umstände diese Reflexionsschleifen bedingt haben, oder nicht vielmehr umgekehrt. Einzig zu bemängeln hat der Rezensent das "etwas plakative Entwicklungsschema", was aber angesichts des "klugen Wechsels von grotesken Episoden und immer größer werdenden Denkschleifen" seiner positiven Beurteilung des Romans keinen Abbruch tut.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 08.01.2004

Wie schon in seinen Gedichten und Prosatexten erzählt der 1993 von Siebenbürgen nach Deutschland gekommene Franz Hodjak auch in diesem Roman von den "Qualen des Unbehaustseins" konstatiert Uwe Stolzmann. Der Siebenbürger Protagonist Bernd Burger, seine Frau und seine Tochter reisen nur mit einem mit Sand gefüllten Koffer nach Deutschland, wobei sie sich am Bodensee zwischen den Grenzen und Identitäten verirren, fasst der Rezensent zusammen. Diese "metaphorische Odyssee" erscheint Stolzmann zwar zunächst als ganz "reizvoll", doch beginnt er sich zunehmend zu langweilen, wie er zugibt. Wenn die Hauptfigur sich seinen Assoziationen hingibt, ergießt sich ein "Sturzbach Nonsens", beklagt sich der Rezensent, der sich auch an den Kalauern Burgers stört. Zwar erkennt er die "Methode" des Autors, die dahinter steht, nämlich durch die "gespielte Einfalt" und den "Irrwitz" der Hauptfigur" den Schmerz erfahrbar zu machen, nur "funktioniert sie nicht", so der ziemlich angestrengt wirkender Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 06.11.2003

Hingerissen ist Verena Auffermann von diesem Roman, der die Ausreise des Protagonisten Bernd Burger mit Frau und Kind aus Rumänien und ihr Dasein als "Staatenlose" in Deutschland beschreibt. Die Rezensentin bejubelt das Buch als "literarisches Glücksstück", auf das man seit elf Jahren, seit der Autor selbst aus Rumänien nach Deutschland kam, warten musste. Sie betont, dass Hodjak in seinem Roman weder beschönigt noch irgend etwas von der Odyssee der Staatenlosen "auslässt". Insbesondere die Darstellung der Beziehung zwischen Burger und seiner Frau Melitta findet sie gelungen und sie meint, ein "komischeres Ehepaar" sei ihr in der Literatur schon lange nicht mehr untergekommen. Sie ist begeistert von den Schilderungen "absurder Bewegungen und Begegnungen", wobei sie findet, dass in den vom Autor auf die Spitze getriebenen Grotesken sowohl das "Dasein in der Diktatur" als auch das Leben im Westen entlarvt wird. Ein "leichter, komischer, kluger bis weiser" Roman, schwärmt die Rezensentin, die den besonderen "Höhepunkt" dieses Buches in einer Abhandlung über das Glück sieht.
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