Ein zeitloses Thema habe Frank Wedekind in seinem Erstlingswerk gewählt, findet Volker Ullrich: die Pubertät. Das um die Jahrhundertwende entstandene Schauspiel klage schonungslos die Folgen von tabubeladenem Umgang mit Sexualität und dem unfreien Aufwachsen in den "Dressuranstalten" der repressiven wilhelminischen Zeit an. Es sterben zwei verzweifelte Jugendliche - die eine an den Folgen einer Abtreibung, der andere begeht Selbstmord, weil er sitzen geblieben ist. Wedekind lässt laut Ullrich keinen Zweifel aufkommen, dass dies als scharfe Anklage gegen die Repressionen jener Zeit zu lesen sei. Die von Wedekind eingeführten Gegenentwürfe in Form einer jungen Muse und einem "vermummten Herrn" seien dann auch das einzig menschliche an dieser von Zwängen und Prüderie verbohrten Gesellschaft, so der Ullrich fasziniert. Eine schonungslose Enthüllung dieser teilweise in "grotesker Überzeichnung" dargestellten, "verknöcherten" Erwachsenenwelt werde hier eindrucksvoll beschrieben, resümiert Ullrich begeistert. Unbedingt lesenswert und wärmstens empfohlen also für die Zeit-Schülerbibliothek.
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