Elke Schmitter

Alles, was ich über Liebe weiß, steht in diesem Buch

Einbildungsroman
Cover: Alles, was ich über Liebe weiß, steht in diesem Buch
C.H. Beck Verlag, München 2024
ISBN 9783406822285
Gebunden, 351 Seiten, 26,00 EUR

Klappentext

Sie treffen sich und stürzen ineinander: Helena und Levin, die beide ein erstes Leben hinter sich haben; fast erwachsene Kinder, Karrieren, die sie erfüllen. Es wird eine Episode, die Helena nicht vergessen kann. Was bedeutet es, dieses Gefühl, und wie kommt es, dass wir sogar wider Willen begehren? Helena sucht Rat, auch bei den Sehnsüchtigen vor unserer Zeit.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 16.01.2025

Man braucht ein bisschen Durchhaltevermögen für Elke Schmitters neues Buch über die Liebe, räumt Rezensentin Anna-Lisa Dieter ein, aber es lohnt sich: Neben das theoretische Wissen über Liebe zwischen Psychoanalyse und Soziologie stellt sie die Romanhandlung um Helena, im mittleren Alter, die eine Beziehung mit dem Musiker Levin eingeht. Die "Deutungswut der Liebenden" macht diese Beziehung aus, sie reflektieren alles, was Dieter ein bisschen anstrengt und zugleich aber auch an französische Literatur zwischen Proust und Barthes erinnert. Die beiden trennen sich schnell wieder, was Helena in eine existenzielle Krise stürzt und im Buch zu einer "ungewöhnlich radikalen Darstellung von Liebesleid" führt und der Kritikerin abschließend auch verdeutlicht, wie groß Schmitters "Liebe zur Sprache" ist.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 24.12.2024

Schon das ohne Bild auskommende Cover dieses Buches gefällt Rezensentin Cornelia Geißler. Innen drin geht es in Elke Schmitters neuem Roman dann um eine Liebesgeschichte, aufgefaltet in zwei Teilen, die Hauptfiguren sind Helena, Künstlerin und Levin, Musikphilosoph. Als sie sich kennenlernen, scheinen sie wie für einander geschaffen, sie sind verliebt und außerdem Intellektuelle, dazu passend versieht Schmitter ihren Roman mit einem Fußnotenapparat, der allerhand Expertise herbeizitiert. Geißler fragt sich kurz, ob die Autorin hier mit ihrem Wissen hausieren geht. Aber wenn sie den zweiten Teil, der "Einbildungsroman" überschrieben ist - der erste heißt "Bildungsroman" -, erreicht, ergibt das alles für die Rezensentin Sinn, weil Helena jetzt um ihre Liebe zu trauern beginnt und ihre hochtrabenden Gedanken die Fußnoten des ersten Teils nachträglich rechtfertigen. Insgesamt liest Geißler dieses Buch über das viel beschriebene Gefühl der Liebe jedenfalls gern - es gibt zum Thema also in der Tat noch das eine oder andere zu sagen.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 21.12.2024

Elke Schmitter erzählt in ihrem neuen Roman zunächst von Liebesgeschichten wie von "soziologischen Fallgeschichten": Die Protagonistin Helena bewegt sich zwischen Kalifornien und Madeira, bis sie auf Levin trifft, erzählt Rezensentin Nina Apin. Die beiden kommen sich näher, diskutieren über Sloterdijk und Freud, über Narzissmus und Treibschicksale, bis eine Vergewaltigung in all ihrer detailreichen Schilderung "mitten hineinknallt" in diesen Text und offenbart, dass es sich bei beiden um Versehrte handelt, deren Beziehung bald ein Ende findet. "Der Sternenstaub ist abgerieselt" und der Anfangszauber dieser Beziehung vorbei, erfahren wir. Für Helena eine Entwicklung, die sie seelisch auf das Äußerste belastet, für Apin bei der Lektüre auch nicht ganz einfach zu ertragen, dennoch: dieses "sprachlich wunderbare" Buch wird sie nicht so schnell vergessen, bekennt sie.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 01.10.2024

Nein, mitgerissen ist Rezensent Christoph Vormweg nicht von Elke Schmitters neuem Roman. Dafür ist die Autorin vielleicht doch zu sehr Kulturjournalistin. Wenn Schmitter das abrupte Ende einer kaum begonnenen Liebesbeziehung erzählend umkreist, muss Vormweg seitenlange enzyklopädische Einlassungen zu Gelingen und Misslingen von Liebe, psychologisierendes Therapiedeutsch und Zitate von Luhmann lesen. Doch nicht nur. Zum Glück gibt es im Buch auch Poetisches und Humorvolles und allerhand eher lakonische Alltagsbeschreibungen, stellt Vormweg erleichtert fest. Und ob das Aus der sezierten Beziehung nun unwiderruflich ist, diese Frage bleibt bis zum Schluss spannend, versichert der Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 24.09.2024

Ein tolles Buch ist das über ein Thema, über das man schon alles zu wissen meint, so Rezensent Carsten Hueck: über die Liebe. Die sich Liebenden heißen bei Elke Schmitter, lernen wir, Helena und Levin, erstere ist die Ich-Erzählerin. Die Geschichte der beiden beginnt beim puren Gefühlsüberschwang, beschreibt Hueck, bei Liebe als Erfahrung absoluter Gegenwart, wobei Schmitt in Fußnoten Liebesexperten von Freud bis Luhmann ausführlich zitiert. Das Buch zeigt, dass Liebe eben doch immer wieder neu ist, findet Hueck, erst recht, wenn sie scheitert und Helena im zweiten Teil des Bandes lernen muss, mit ihren nach wie vor überbordenden Gefühlen zurecht zu kommen, nachdem niemand mehr da ist, dem sie sie widmen kann. Das ist lustig und klug, jubiliert Hueck - ein Buch für alle, die die Liebe in allen ihren Facetten lieben.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 19.09.2024

Allen, die noch an die Liebe glauben, empfiehlt Kritiker Carsten Hueck diesen Roman von Elke Schmitter: Im Zentrum steht ein (zunächst Traum-)Paar, Helena und Levin, deren allumfassende Liebesgefühle Schmitter einfühlsam und in einer Melange aus literarischen Betrachtungen und theoretischen Einsprengseln von Freud bis Varnhagen beschreibe. So "charmant wie gewitzt, persönlich und literarisch elegant" kann die Autorin fassen, wie die Liebe erst aufwallt und dann über einen langen Zeitraum wieder abflacht, analytisch und anschaulich zugleich, lobt Hueck. Eine facettenreiche Geschichte über die Liebe und auch ihr Scheitern, die der Rezensent sehr gern gelesen hat.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.09.2024

Rezensent Jakob Hessing taucht tief ein in das Drama der Liebe mit dem neuen Buch von Elke Schmitter. Laut Hessing gelingt es der Autorin auf recht radikale Weise vom jähen Beginn und ebensolchem Ende einer Liebe zu erzählen. Wie die Ich-Erzählerin, eine Bildhauerin, das erlebt, beschreibt Schmitter "meisterhaft" und mit zunehmendem Tiefgang. Wenn die Autorin schließlich in das Dickicht der enttäuschten Gefühle ihrer Figur eindringt und ihm Briefe der französischen Salonniere Julie de Lespinasse von 1775 an die Seite stellt, fühlt sich Hessing wahrhaftig in einer raffiniert konstruierten Tragödie.