Dieser Fotoband illustriert das Leben von Marcel Reich-Ranicki, mit vielen, zum überwiegenden Teil unveröffentlichten Fotografien. Da ist Marcel Reich-Ranicki im Gespräch mit Elias Canetti oder Martin Walser, in der Wohnung von Max Brod oder, umständlich einsteigend, in dem kleinen Propellerflugzeug von Ernst Schnabel. Es sind gleichzeitig Erinnerungszeichen an die Figuren, von denen seine Autobiographie "Mein Leben" handelt. Die Eltern, der Großvater, Reich-Ranicki selbst, im Berlin der dreißiger Jahre. Wiedergegeben werden die Dokumente seines Lebens und seiner erstaunlichen Zeitgenossenschaft. Oft erzählen die Fotos unbekannte Episoden aus seinem Leben, Ergänzungen einer Biographie, die Frank Schirrmacher in vielen Gesprächen mit Reich-Ranicki und seiner Frau Tosia aufgezeichnet und in seinem Essay wiedergegeben hat.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 02.06.2000
In ihrem Artikel zum 80. Geburtstags des berühmtesten deutschen Kritikers liefert Ursula März nur einen Hinweis auf den vorliegenden Band, der aber interessant genug ist, dass man diesen Band durchblättern möchte. März fällt ein Kontrast auf zwischen dem MRR, wie man ihn aus dem Fernsehen kennt, eine "gewaltige, ausgelassene Präsenz", und den Fotografien, die einen eher scheuen, abweisenden und introvertierten Mann zu zeigen scheinen. März erklärt diesen Kontrast mit einer Theorie der "vitalen Melancholie", die es Reich-Ranicki erlaube, seine Spontaneität bewusst und selbstbewusst auszuspielen, ohne seine Melancholie je zu verraten.
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