Frank Kelleter

Amerikanische Aufklärung

Sprachen der Rationalität im Zeitalter der Revolution. Habil.
Cover: Amerikanische Aufklärung
Ferdinand Schöningh Verlag, Paderborn 2002
ISBN 9783506744166
Gebunden, 852 Seiten, 116,00 EUR

Klappentext

Auf der Grundlage einer umfassenden Definition des rationalen Projektes der Aufklärung zeigt Kelleter, welche Sprach- und Handlungspraktiken im 18. Jahrhundert zur Ausbildung eines spezifisch amerikanischen Rationalitätsverständnisses beitrugen. Damit liefert vorliegende Arbeit einen Beitrag zur aktuellen Diskussion über das Verhältnis von Vernunft, Religion, Nation und Öffentlichkeit, der weit über das Feld der Nordamerikastudien hinaus relevant ist. Die Bedeutung moderner Kommunikationsmedien für die Produktion gesellschaftlicher Herrschaft wird ebenso berücksichtigt wie die Funktion von Geschlecht, Ethnizität und Glaube bei der öffentlichen, privaten und häuslichen Inszenierung rationalen Sprechens.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 12.04.2003

Die einzige Kritik, die der mit "uha" zeichnende Rezensent an dieser Habilitationsschrift von Frank Kelleter zu üben hat, bezieht sich auf das Problem, sich in der Fülle der 145 Paragraphen zurecht zu finden. Deren Inhalt hingegen hält er für unerlässlich für alle, die sich mit der amerikanischen Aufklärung so wie ihren Nachwirkungen beschäftigen. Der Autor schlage dabei einen weiten Bogen von den Begrifflichkeiten und den Denkmodellen über die Konkurrenz von Naturwissenschaften und Theologie bis zu den historischen Auswirkungen wie der Revolution. Diesem weiten Bogen entsprechend bediene sich Kelleter einer großen Bandbreite von Texten, die Quellen, literarische und geschichtswissenschaftliche Texte genau so einschließe wie Texte moderner Philosophen und Forschungsdiskussionen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 04.02.2003

Einen etwas zwiespältigen Eindruck hat die mehr als 800 Seiten umfassende Habilschrift des Amerikanisten Frank Kelleter über die amerikanische Aufklärung bei Rezensent Gert Raeithel hinterlassen. Respekteinflößend findet er Kelleters Untersuchung der britischen und amerikanischen Quellen vor, während und nach der amerikanischen Revolution. So könne der Autor belegen, dass Thomas Jefferson, John Adams und andere Gründerväter jenseits republikanischer oder liberalistischer Etikettierungen eine "prozeduralistische Vernunftpolitik" anstrebten, wobei die U.S.-Verfassung die rationalen Prozeduren zur Wahrheitsfindung lieferte. Was dem Rezensenten indes mächtig auf den Geist geht, ist Kelleters Stil. "Der Autor will einen kleinen, erlesenen Kreis überzeugen und in ihn aufgenommen werden, nicht aber einen Vertrag mit der allgemeinen Leserschaft schließen, sich auf einer Verständnisebene zu treffen", tadelt Raeithel. Der Text wimmele nur so von akademisch-hässlichen Wortungetümen. Damit kann Kelleter den Rezensenten allerdings nun überhaupt nicht beeindrucken. Bisweilen wird der Inhalt zum Ärgernis des Rezensenten durch den unschönen, verqueren Stil Kelleters allerdings nahezu unverständlich, etwa wenn der Autor erklärt: 'Gegen transsubjektive und antiindividualistische Solidaritätsimperative gilt deshalb festzuhalten, dass die negative Bestätigung dominanter Zuschreibungen die (nun oppositionell inkorporierten) Subjekte nicht minder - und eher mehr - unterwirft als der prätendiert zwanglose Zwang der deliberativen Vernunft'. Inhaltlich stößt sich Raeithel am Hang des Autors, die Mächtigen reinzuwaschen. So leugne Kelleter die imperialen Gelüste der Vereinigten Staaten und bescheinige den Pionieren eine Eroberung ohne Eroberungsabsicht. "Das Schönrednerische", Raeithel abschließend, "schmälert seine in anderer Hinsicht vortreffliche wissenschaftliche Leistung."
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.12.2002

Paul Nolte erkennt das Vorhaben dieser Habilitationsschrift über die amerikanische Aufklärung als äußerst "anspruchsvoll" an, sieht den Autor allerdings an der "übergroßen Bürde des Stoffes und des Erklärungsanspruches" gescheitert. Dabei findet er den ersten und zweiten Teil des Buches, in dem es um die "philosophischen Theorien der Vernunft" und um die protestantische Erweckungstheologie des frühen und mittleren 18. Jahrhunderts geht, noch am "originellsten". Dennoch scheint dem Rezensenten die These Kelleters, der amerikanische Pietismus sei die "Wurzel einer neuen Rationalität" gewesen, ziemlich "überzogen". Den dritten und vierten Teil, der die amerikanische Revolution und den "differenten Rationalitäten" von Indianern, afroamerikanischen Sklaven und Frauen behandelt, findet Nolte "weitaus konventioneller". Er moniert die Argumentation des Autors hier als "unscharf" und findet insbesondere die "Forschungsberichte" und die "Selbstvergewisserungen", Kelleters zu diesen Komplexen zu lang. Zudem ist der Zusammenhang mit den ersten Teilen seines Buches nicht gegeben, so der Rezensent unzufrieden, und er bekennt, "etwas ratlos" zu sein. Besonders die Position Kelleters in der "Debatte um Aufklärung und Vernunft" kommt nicht richtig zum Vorschein, kritisiert Nolte. Der Bogen, den der Autor in das Amerika von heute zu schlagen versuche, bleibe dann auch "bestenfalls blass" und er warte weiter auf eine "innovative und zeitgemäße Deutung der Revolution", so Nolte enttäuscht.
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