Frank Goosen

Pink Moon

Roman
Cover: Pink Moon
Eichborn Verlag, Berlin 2005
ISBN 9783821809199
Gebunden, 300 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

"Auf dem Bild sehen Sie so aus, als würden Sie gleich eine der Flaschen nehmen und an die Wand werfen", hatte Evelyn gesagt, als sie Abzüge ihrer Fotos präsentierte, die sie am Tag zuvor im PINK MOON gemacht hatte: Felix alleine, Felix zusammen mit Walter, seinem Schulfreund und Geschäftsführer, die Bar, die grobkörnigen Fotos von Nick Drake, Tim Buckley und Gram Parsons im Hintergrund, das PINK MOON in der Totalen. Im übrigen fand Felix nicht, dass er aggressiv wirkte. Oder unglücklich. Warum auch? Probleme hatten doch nur den anderen. Wie sein ebenso geheimnisvoller wie zutraulicher Nachbar Renz. Oder sein Tennispartner Wöhler. Und vor allem seine Mutter, die Zeit ihres Lebens ihrer großen Liebe nachgetrauert hatte, seinem Vater, dem Held und großartigen Tänzer, der kurz nach Felix Geburt für immer verschwand. Die ihre große Sehnsucht mit unglücklichen Affären stillte. Und die ihm ein Restaurant geschenkt hatte, das ihn nicht brauchte. So genießt Felix ein Leben als stiller Teilhaber - bis er eines Tages an einer Straßenecke einem Mann gegenübersteht, von dem er weiß, dass es sein vor Jahren verstorbener, unbekannter Vater ist...

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 30.03.2006

Frank Goosen hat mit "Pink Moon" einen "handwerklich perfekten Vater-Sohn-Blues" hinbekommen, lobt Stephan Maus. Der Rezensent zeigt sich zum einen von der beinahe hollywood-artigen "Überrumpelungsdramaturgie" - jede Rückblende trifft mitten ins Herz des Lesers - beeindruckt und zum anderen von der Ruhrpottigkeit des Werks. Denn sein perfektes Dramaturgie-und-Timing-Handwerk hat Goosen zusammen mit Jochen Malmsheimer als "Tresenleser"-Duo gelernt, an den Tresen des Ruhrgebietes, und so hat Maus sich die Geschichten und Menschen aus dem Ruhrgebiet immer vorgestellt: "gerade heraus, trocken, aber mit Herz". Der Inhalt: Der Thirtysomething Felix, Inhaber eines Luxusrestaurants, das anscheinend von ganz allein läuft, schwimmt so durch sein Leben, ohne Anteilnahme, ohne Aufregungen. Dann aber stirbt seine Mutter. Und zum Ausgleich begegnet Felix seinem Vater, der, wie die Mutter behauptet hat, seit 19 Jahren schon tot sein müsste. Mit den Mitteln von Popsong-Lyrics arbeitet der Erzähler Goosen, der inzwischen ein echter Könner, ein "makelloser Unterhaltungsschriftsteller" geworden sei, so Maus' Diagnose. Pointensicher sind die Dialoge, pointensicher ist auch der Rest, von gelegentlichen Ausrutschern, über die Maus fast selber staunt, einmal abgesehen (zum Beispiel wird das Lästern über eine Phil-Collins-Scheibe in einer CD-Sammlung übel vermerkt). Der Titel des Romans stammt von einem Nick-Drake-Song. Und der Rezensent war rundum zufrieden.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 26.10.2005

Die Rezensentin Elke Buhr ist recht angetan von diesem neuen, vergleichsweise düsteren Roman des den Ruhrpott so authentisch beschreibenden Schriftstellers Frank Goosen - auch wenn der Sohn-sucht-Vater-Plot und die Hauptfigur wenig Überraschungen bereit halten. Der Kneipenbesitzer Felix erforscht nach dem Tod der Eltern seine Vergangenheit. Unterbrochen von vielen Rückblenden driftet er dabei "mehr oder weniger ziellos" durch eine nicht näher genannte Stadt im Ruhrgebiet. Buhr hält sich eher an die Nebenfiguren, die den Roman "interessant" machen. In dem "scheinbar ungerührten Blick des emotional blockierten Erzählers" offenbaren sich ihr Seite für Seite die "Abgründe" der ihn umgebenden Figuren. Diese Erzählperspektive steht dem produktiven und stilistisch versierten Autor nach Buhrs Meinung ausgesprochen gut. Und so gelinge es ihm, ein "skurriles Panorama von Verlierern und Charakterschweinen am Rande des Ruhrschnellwegs" zu entwerfen, ohne dabei "allzu sehr ins Pittoreske" zu verfallen."

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 01.10.2005

Recht enttäuscht zeigt sich David Denk von Frank Goosens neuem Roman. Er nimmt es ihm regelrecht übel, dass es nun im wesentlichen vorbei sein soll mit der Komik, die er bei "liegen lernen" so genossen hat. Goosen schult jetzt um auf ernst, aber recht gelungen ist ihm das nicht, findet Denk. Zwar gebe es hier und da noch hübsche Vignetten und Nebenfiguren, mit dem Helden Felix Nowak aber, der nach neunzehn Jahren seinem Vater begegnet, kann der Rezensent wenig anfangen. Nowak hängt meistens nur herum, zeigt weder Interesse an Frauen noch an Männern und taugt offenbar nicht zur Identifikationsfigur. Gerade das Ende verweigere die nötige "Orientierung" - und so lässt der Roman den Rezensenten vor allem "verwirrt und ratlos" zurück.
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