Foundational Economy Collective

Die Ökonomie des Alltagslebens

Für eine neue Infrastrukturpolitik
Cover: Die Ökonomie des Alltagslebens
Suhrkamp Verlag, Berlin 2019
ISBN 9783518127322
Kartoniert, 263 Seiten, 18,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Stephan Gebauer. Mit einem Vorwort von Wolfgang Streeck. Duschen, Radio an, Espressokanne auf den Herd, Kinder in die Kita, ab in die U-Bahn: Alle diese Handlungen, die wir für selbstverständlich halten, wären ohne komplexe Infrastruktur nicht möglich. Ähnliches gilt für Gesundheitsversorgung und Bildung, die ohne staatliche Investitionen in Gebäude und Personal nicht funktionieren würden. Doch in den vergangenen Jahrzehnten wurden in ganz Europa immer mehr Krankenhäuser, Schulen, Bahnstrecken oder gleich ganze Verkehrsnetze privatisiert und so der Profitlogik unterworfen - mit bisweilen dramatischen Folgen. Inzwischen wächst der Widerstand; in vielen Ländern formieren sich Bewegungen für eine Rekommunalisierung z. B. der Wasserversorgung. Was wir brauchen, so die Autorinnen und Autoren, ist eine neue, progressive Infrastrukturpolitik. Wir müssen die Ökonomie wieder als etwas begreifen, das zuallererst dem guten Leben der Bürgerinnen und Bürger verpflichtet ist.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 04.04.2020

Emanuel Herold empfiehlt das Buch des Autor:innenkollektivs Foundational Economy Collective zur Anregung und zum Weiterdenken in der Krise. Dass der Band schon vor Corona erschien, scheint Herold bezeichnend. Wenn die Autor:innen des Bandes den Begriff der "Fundamentalökonomie" ins Zentrum der Aufmerksamkeit rücken, legen sie laut Herold den Finger auf die nunmehr entzündete Wunde. Lebensnah schildern die Texte im Band ihm, inwieweit zu lange vernachlässigte Güter, Dienstleistungen, Menschen, nicht Kapital und Eigentum unser Leben erst ermöglichen. Beispiele aus dem Pflegesektor und der Bahn in Italien und Großbritannien erhellen Herold das Problem. Dass der Band auch Ratschläge bereithält (Besteuerung von Boden, intermediäre Allianzen), gefällt Herold, wenngleich vieles davon auch nur angerissen wird, wie er einschränkt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 24.09.2019

Rezensent Oliver Nachtwey hat dieses von einem britisch-italienischen Autorenkollektiv herausgegebene Buch mit Gewinn gelesen. Der Kritiker lernt hier zunächst zwischen "materieller" und "providenzieller Fundamentalökonomie" zu unterscheiden, also der Grundversorgung mit Wasser, Strom etc. auf der einen Seite und der Infrastruktur aus Schulen, medizinischen Dienstleistungen, Sozialversicherungen, Sportstätten etc. auf der anderen Seite. Darüber hinaus lernt der Rezensent hier nicht nur die Geschichte der Fundamentalökonomie kennen, sondern erfährt auch, wie viele Dienstleistungen im Laufe der Zeit privatisiert wurden. Vor allem aber liest er mit Interesse, wie eine "moralisch eingebettete" Fundamentalökonomie aussehen könnte: Die Autoren empfehlen etwa, Investitionen in die Infrastruktur aus einer Vermögenssteuer und durch eine Bodenwertsteuer zu finanzieren und Betriebe auf das Gemeinwohl zu verpflichten; zudem stellen sie die Frage, ob Google und Facebook überhaupt private Anbieter von digitalen Medien sind. Wie viele sozialistische Elemente moderne Gesellschaften bereits in sich tragen, entnimmt der Kritiker dem instruktiven Nachwort von Wolfgang Streeck.

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