Filippo Tommaso Marinetti

Wie man die Frauen verführt

Cover: Wie man die Frauen verführt
Matthes und Seitz, 2015
ISBN 9783957570192
Gebunden, 123 Seiten, 14,9 EUR

Klappentext

"Welcher Qualitäten bedarf es also, um möglichst viele Frauen zu verführen? Alle, über die ein italienischer Futurist natürlicherweise verfügt. Einen agilen, starken, aggressiven Körper. Militärisch gestählte Muskeln. Die Eleganz und den wunderbaren Haarschopf Bruno Corras beziehungsweise die elektrische Kahlheit Marinettis." Komplett unironisch, völlig absurd und unglaublich komisch: Filippo Tommaso Marinetti, der Begründer des Futurismus, erklärt in seinem Verführerhandbuch von 1909 wie Mann Frauen zu willenlosen Dienerinnen seines Begehrens macht, wie man sich "der Frau" nähert, wann der Wein entkorkt werden sollte und wann es an der Zeit ist, die Hand auf ihr Knie wandern zu lassen. Mit diesem Manifest gegen die Verbürgerlichung der Liebe schrieb Marinetti die Blaupause für alle späteren Liebesratgeber und lieferte gleichzeitig ein skurril-unterhaltsames Beispiel für die Stilisierung von Geschlechterrollen in den kulturellen Avantgardebewegungen der Moderne.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.08.2015

Rezensentin Rose-Maria Gropp hat einiges zu ächzen angesichts der krachledernen Virilität, mit der der Futurist und zeitweilige Mussolini-Weggefährte Marinetti in dieser Schrift aus dem Jahr 1916 seine Begeisterung für Techniküberwältigung, Drill und Kriegsbegeisterung auf Erotik und romantisches Begehren ausdehnt. Jedenfalls biete dieses Dokument aus der Geschichte des Geschlechterkampfs für heutige Vorstellungen eine arg beschwerliche Lektüre, schreibt die Rezensentin - auch und weil der Autor sich tief ins Metapherndickicht deliriert. Frauenfeindlichkeit will ihm Gropp zwar nicht ohne weiteres unterstellen, dennoch sieht sie in seinen von männlichem Überlegenheitsüberzeugungen grundierten "Frauenjägerfantasien", eine Schwundstufe von Nietzsches Übermensch-Ideen: "Ja, so ist er, der metallische Mann, gestählt und poetisch zugleich." Abschließendes Lob geht immerhin an den Verlag, dem es einmal mehr gelungen sei, ein Zeitdokument in ansprechender und adäquater Gestaltung auf den Markt zu bringen.
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